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Ein Krimiklassiker schlechthin

Der Tod auf dem Nil - Agatha Christie, Pieke Biermann

Für Detektiv Hercule Poirot sind Ferien am Nil angesagt, doch zu erholsamen Stunden kommt es nicht. Denn auch die allseits begehrte Millionärin Linnet Ridgeway hat sich den Ausgang ihrer Flitterwochen sicher nicht mit dem eigenen Tod vorgestellt.

Es handelt sich hierbei um einen der bekanntesten Krimis der Literatur und um einen Klassiker im Genre, der auch 70 Jahre später noch unterhaltsam, rätselhaft und spannend zu lesen ist.

Es dauert etwas, bis man endlich in Ägypten ist. Die Autorin lässt sich Zeit ihre Figuren einzuführen und geht schon lange vor der Reise die Passagierliste der Kreuzfahrt durch. Zuerst habe ich mich von den vielen Personen regelrecht erschlagen gefühlt. Allerdings sind diese Charaktere mit ihren offensichtlichen Eigenheiten so schillernd beschrieben, dass mich Agatha Christie trotzdem rasch für sich eingenommen hat.

Mit Detektiv Poirot tritt man endlich eine Reise durch die ägyptische Nillandschaft an. Hier hat die Autorin die Landschaft und das Erlebnis Ägypten wunderbar eingefangen. Als Leser fühlt man sich als ob man mit den Ladys und Gentleman die Stadt Assuan, Abu Simbel oder andere ehrfuchtgebietende Tempel dieser vergangenen Welt im Wüstensand besucht. Dabei vergisst man ganz, dass es bald einen Kriminalfall zu lösen gibt.

Denn es dauert sehr lang, bis man endlich zum Kern der Handlung vorgedrungen ist. Erst bei ungefähr der Hälfte des Romans wird ein tödlicher Schuss gelöst, der Poirot raus aus dem Erholungsmodus und zurück in den Arbeitsalltag reißt.

Hercule Poirot ist ein Star-Ermittler seiner Zeit. Berechtigterweise etwas eingebildet, doch mit einem guten Herz, versucht er mit seinem stechend scharfem Verstand kriminalistische Rätsel zu enthüllen und geht dabei sehr methodisch vor. So natürlich auch bei dieser Nil-Kreuzfahrt, wo er sich von den Mitreisenden nicht beirren lässt:

„Sehen Sie mal, um jemanden wie Linnet Doyle herum gibt es so viele widerstreitende Gefühle, Hass und Eifersucht und Neid und Gemeinheit. Das ist wie eine Wolke aus lauter Fliegen, die summen und summen …“ 
(S. 243)

Der Clou sind die vielen Figuren, weil fast jede verdächtig ist. Hat man erst einmal einen Tatverdächtigen ausgeschlossen, kommt ein neues Motiv daher, wird ein möglicher Hergang für unmöglich abgetan, ergibt sich ein Hinweis, der den Ablauf in neuem Licht betrachten lässt, und glaubt man, den Fall durchschaut zu haben, haut einem Poirot sanft auf die Finger und schüttelt den Kopf dabei, weil es einfach zu offensichtlich ist.

Der Rätselspaß steht ganz klar im Vordergrund. Es ist ein Vergnügen mit Poirot auf Verbrecherjagd zu gehen, dabei die lebendigen Figuren und schillernden Persönlichkeiten zu beobachten und sich von Agatha Christies Personenvielfalt um den Finger wickeln zu lassen.

Obwohl „Der Tod auf dem Nil“ als Klassiker schlechthin eigentlich Staub angesetzt haben sollte, handelt es sich um einen erstaunlichen Krimi mit besonderem Unterhaltungspotential, der mir außerordentlich viel Vergnügen bereitet hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at