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Aus dem Leben eines Bassisten

Der Feinripp-Macho - Hans Umschaden, Hans Umschaden, Hans Umschaden

Der Profi-Musiker UMBO alias Hans Umschaden, präsentiert sich in diesem Büchlein von seiner autobiographischen Seite und geht mit Schmäh und deutschem Akzent die Aufarbeitung seiner Karriere als Bassist, Songtexter und Entertainer an.

Der „Feinripp-Macho“ ist kein Hörbuch im klassischen Sinn, sondern eine Mischung aus Popmusik und Kabarett, die sich im Buchgewand präsentiert. Zum Hörbuch wurde die Printversion mitgeliefert, die alle Texte verschriftlicht enthält.

„Was Sie hier in Händen halten, ist das Resultat einer dramatischen Entwicklung. Es ist ein Einblick in die Lebensgeschichte eines Vertreters einer vom Aussterben bedrohten Spezies - dem Berufsmusiker!“ (S. 6)

Wer übrigens meint, von UMBO noch nie etwas gehört zu haben, den muss ich wahrscheinlich korrigieren, weil er u.a. für Christina Stürmer „Mitten unterm Jahr“ geschrieben hat.

Hans Umschaden erzählt in vielen kurzen Anekdoten, wie es ihm als professionellen Musiker ergangen ist. Es geht um seine Kindheit in Kärnten, seine Ausbildungswege und natürlich auch, wie er es durchgehalten hat, einen meist brotlosen Beruf nachzugehen.

Aber hier wird nicht einfach trocken aus einem Bassisten-Leben berichtet, sondern der Autor und Musiker strebt wohl gleichzeitig eine Karriere als Comedian an. Denn alle Anekdoten werden im amüsant-süffisantem Ton erzählt, sodass es auch ohne direkten Bezug zum Schmunzeln anregt.

Das Buch bzw. das Hörbuch ist in 41 Abschnitte unterteilt, die zwischen einer Minute bis hin zu guten 8 Minuten dauern.

Schon eingangs wird man darauf aufmerksam gemacht, dass ein Tonstudio keine Kläranlage sei (s. Band läuft), womit sich der Musiker wohl auszukennen scheint.

Man wird quer über die Alpen bis nach Deutschland gezerrt - woher wohl die zackig-korrekte Aussprache stammt - es wird über Political Correctness, dem gespannten Verhältnis von Frauen und Männern und viel über das Leben wie es früher war gesprochen. Gerade diese Rückblicke in die letzten Jahrzehnte haben mir recht gut gefallen, weil es der Jugend von heute zeigt, wie schwierig es war, sich in Zeiten von VHS (nein, damit ist nicht die Volkshochschule gemeint) einen Pornofilm anzusehen und welche Herausforderungen damit einst verbunden waren.

„Der alberne Hans“ hat mir ebenfalls gut gefallen. Hier geht UMBO alle Arten von Hänsen an, weil er - selbst auf den Namen getauft - aus Erfahrung sprechen kann. Ich frage mich allerdings, ob er bewusst Österreichs berühmtesten Hans (Falco) der Popkultur bei seiner Erörterung ausgelassen hat … 

Die Anekdoten eines Bassisten beschäftigen sich nunmal mit Musik, wobei der Profi manchmal etwas zu arg zum Vorschein kommt.  Denn ich habe keine Ahnung davon, wie und warum man einen Takt „loopt“ oder was ein Funkalbum ist. An solchen Stellen habe ich mich überrumpelt gefühlt und habe mich geistig vom Inhalt verabschiedet. 

Musik wird nicht nur thematisiert sondern immer wieder eingestreut. Kurze Musikpassagen wechseln sich mit den Texten ab, was nicht ganz meinem Geschmack entspricht. Ich bin ein textlastiger Mensch, der sich zwar gern etwas erzählen, aber nicht unbedingt etwas vorsingen lässt. 

„Der Feinripp-Macho“ ist dennoch ein originelles Werk, das ich mir zwischendurch sehr gern angehört habe. Ich habe noch nie über die Musiker hinter Songtexten, Popgrößen oder von Vorgruppen nachgedacht, und daher ist es ein informativer sowie unterhaltsamer Einblick ins Musikgeschehen.

Insgesamt ist „Der Feinripp-Macho“ ein ausgefallenes Hörerlebnis, das meiner Ansicht nach zwar schwierig einzuordnen dafür aber recht amüsant zu hören ist. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at