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Stimmungsvoller Krimi

Stimmen - Ursula Poznanski

Psychiatriestation des Klinikums Salzburg-Nord. Ein Arzt wird tot in einem Behandlungsraum aufgefunden. Nicht nur, dass ihm eine Schiene quer durch die Kehle getrieben wurde, sondern es sind auch noch Plastikmesserchen auf dem Leichnam drapiert. Nun liegt es an Beatrice Kaspary und Florin Wenninger einen Zugang zu den Patienten der Station zu finden. Denn die einen hören Stimmen, während andere überhaupt nicht kommunizieren. Aber Bea ist sich sicher, dass die Patienten etwas gesehen haben müssen.

Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ermitteln in ihrem dritten Fall. Der Mord in der Salzburger Psychiatrie stellt sie vor eine Herausforderung, weil man sich kein Motiv erklären kann. Der junge Arzt war allseits beliebt und bei den Kollegen anerkannt. Bedeutet das, hier war der Wahnsinn im Spiel?

Den Tatort Psychiatrie finde ich sehr gut gewählt, weil einen schon allein dieser Umstand zum Frösteln bringt. Gerade auf dieser Station befinden sich schwer traumatisierte Menschen, denen man nicht so leicht eine Zeugenaussage entlockt. Dadurch leitet Ursula Poznanski ein interessantes Verwirrspiel ein und beschäftigt sich nebenher mit den Zuständen, die vielleicht auf mancher Station herrschen könnten. 

Weniger gefallen hat mir Beas Privatleben, dass sich immer wieder nach vorne drängt. Ich weiß, auch Ermittler haben abseits ihres Berufsalltags eine Existenz, aber diese ständigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ex-Mann sind mir diesmal etwas auf die Nerven gegangen. Außerdem ist es mittlerweile so, dass ich die Hauptfigur Bea als Person überhaupt nicht mehr sympathisch finde, weil sie meiner Meinung nach in Selbstmitleid versinkt. Sie ist arm und überfordert, weil sie die Kinder abholen muss. Genauso arm gibt sie sich, wenn die Kinder bei ihrem Ex-Mann sind und sie allein daheim sitzt. Und ich frage mich da schon, was die gute Frau überhaupt will. 

Immer wieder wird thematisiert, ob sie eine schlechte Mutter ist. Ich glaube, die Frage kann man rundheraus ehrlich beantworten, denn der Award als Mutter des Jahres wird ihr sicherlich nicht verliehen. 

Dennoch ist es für mich ok, weil ich eine Protagonistin nicht unbedingt mögen muss, und diese Spannung zwischen der Protagonistin und mir der Handlung weiteren Pfeffer gibt.

Die Ermittlungsarbeit stellt Protagonistin Bea in den Mittelpunkt, wobei der gut aussehende Florin Wenninger als schmückendes Beiwerk zum tragen kommt. Seine Rolle beschränkt sich auf den Retter in der Dunkelheit bzw. den Kollegen, der für sie in die Presche springt. Trotz dieser Besetzungskritik gefällt es mir unheimlich gut, dass die Ermittlungen von Kaspary und Wenninger nicht einfach zu durchschauen sind und sogar Fehler passieren, wie es wahrscheinlich der Realität entspricht. Denn rasch hat sich aus einem kleinen Fauxpas eine Lawine entwickelt, die die ganze bisherige Arbeit in Gefahr bringen kann.

Der Fall an sich war wieder einmal genial und sehr schön eingefädelt. Bis zum Ende hin war mir nicht klar, wer dahinter stecken könnte und mit dem Motiv wurde ich ordentlich überrascht, obwohl es eigentlich Hinweise gegeben hätte.

Poznanskis Schreibstil ist gewohnt souverän. Sie schreibt gekonnt spannend und flüssig, sodass dieser Krimi wunderbar zu lesen ist.

Wer bereits mit Kaspary und Wenninger ermittelt hat, wird auch ihren 3. Fall mit Spannung verfolgen, weil die Autorin erneut einen stimmungsvollen Krimi geschaffen hat. Ich habe dieses Buch wieder sehr gern gelesen und freue mich, wenn es mit den Ermittlungen der Abteilung Leib und Leben in Salzburg weitergeht.

 
 
Bisherige Fälle:
1) Fünf 
2) Blinde Vögel 
3) Stimmen
4) Schatten
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at