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Vom bibliophilen Leserherz

Das Papierhaus: Roman - Carlos María Domínguez, Elisabeth Müller

Bluma Lennon überquert die Straße und ist im nächsten Moment tot, weil sie ein Auto erwischt hat. Schuld daran ist Emily Dickinson, weil die junge Literaturprofessorin ihre Nase lieber in Bücher steckt als auf den Verkehr zu achten. Ihr Nachfolger an der Universität erhält ein äußerst lädiertes Buch, das ihn auf eine weite Reise auf den Spuren seiner Vorgängerin führt.

"Das Papierhaus" wurde für passionierte Leser und Bücherwürmer geschrieben, denn von Anfang bis Ende geht es um Bibliophilie, die Liebe zum Buch, und das büchersammelnde Leserherz.

Mit Blumas verfrühten Tod hat niemand gerechnet, auch nicht ihr Nachfolger, den eine Romanze mit der Literaturprofessorin verband. Eines Tages findet er ein sehr ramponiertes Buch in ihrem bzw. seinem Büro vor und geht seinem Geheimnis auf die Spur.

Dieses Geheimnis ist in der Bibliophilie begründet und regt in die andere Richtung zum Nachdenken an. Ist es wirklich der Sinn des Lebens, es lesend mit der Nase im Buch zu verbringen? Wie weit kann die Gier nach Büchern gehen ohne in Wahnsinn abzudriften? Und wie sehr werden wir von Büchern beeinflusst, unabhängig davon, ob uns ihre Geschichten gefallen haben?

So geht Carlos María Domínguez schon eingangs auf die Gefahren von Büchern ein, wenn er davon erzählt, wie Bluma dank Emily Dickinson ihr Ende fand, sich sein Freund Richard wegen des Autors Faulkner ein Bein brach und ein anderer Freund aufgrund eines Buches an Tuberkulose erkrankte. 

„Ein Auto hat sie getötet. Nicht das Gedicht.“ (S. 11)

Bücher sind gefährlich, aber nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist sind sie eine reelle Gefahr. Wer Stunde um Stunde in Büchern verbringt, verlernt vielleicht sich der Realität zu widmen oder wird von der Buchwelt eingeholt …

Doch es kommt der Moment, da unsere Bücher eine unsichtbare, durch ihre Menge definierte Grenze überschreiten. Was einst unser Stolz war, wird uns zur Last, denn die Platzfrage bleibt ein Problem.“ (S. 20)

Dabei ist der charmante Sprachstil besonders erwähnenswert. Mit blumigen Vergleichen, sanften Pointen und einer leidenschaftlichen Wortwahl, von der Liebe zum Buch durchströmt, erzählt der Protagonist, wie er dem lädierten Exemplar von Blumas Schreibtisch auf die Schliche kommt, und warum ihm diese Geschichte zu denken gibt.

Die Handlung lässt ab ungefähr der Hälfte zu wünschen übrig, weil es mir dann doch etwas zu abstrus geworden ist. Zwar kann sie sich bis zum Ende wieder fangen, schmälert bei mir trotzdem den Gesamteindruck. 

Dennoch hat Carlos María Domínguez mit „Das Papierhaus“ eine Liebeserklärung an die Buchwelt sowie eine kleine, literarische Perle verfasst, in der man sich als zügelloser Leser nur wiederfinden kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at