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Ein böser Spannungsroman

Ich bin böse: Psychologischer Spannungsroman - Ali Land, Sonja Hauser

Milly ist 15 und wird in einer Pflegefamilie untergebracht. Ihre wahre Identität muss verborgen bleiben, weil ihre Mutter eine Serienmörderin ist und diese dank Milly gefasst werden konnte. Die Gerichtsverhandlung steht bevor und Milly kämpft mit ihrem schlechten Gewissen, weil sie sich selbst die Schuld an den Todesfällen gibt. Gleichzeitig wird ihr das Leben von Phoebe - der leiblichen Tochter der Pflegeeltern - so richtig schwer gemacht. Doch Phoebe weiß nicht, dass auch Milly böse sein kann …

Im Vordergrund steht Protagonistin Milly und wie sie sich an einem Start in ein normales Leben versucht. Der Prozess der Mutter steht bevor und sie setzt alles daran, so gut wie möglich vorbereitet zu sein. Dabei strebt sie danach, ihren Platz in der Welt zu finden und tut sich aufgrund ihrer Vorgeschichte etwas schwer, mit anderen Menschen umzugehen.

Milly ist sehr speziell. Sie ist bei einer Serienmörderin aufgewachsen und hat damit zutun, ein „normaler“ Mensch zu werden. Ihren redlichen Bemühungen zum Trotz macht ihr Pflegeschwester Phoebe das Leben sehr schwer, weil sie ein Biest ist, wie man ihm nicht begegnen will.

Zickenterror, Mobbing und Schikane stehen fortan auf Millys Tagesordnung, doch keiner weiß, dass sie die Tochter einer Serienmörderin ist, die schon schlimmere Dinge als dieses pubertäre Verhalten ertragen hat.

Milly hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Sie ist eine Protagonistin, die durch ihr authentisches Wesen vom ersten Augenblick an neugierig macht. Man nimmt an ihren Gedanken und Gefühlen teil, merkt, wenn sie sich überfordert fühlt oder nicht so recht weiß, wie sie sich verhalten soll. Außerdem sieht man, dass Milly ihr schlechtes Gewissen quält und trotzdem lässt sie sich nicht in die Karte schauen.

Diese Sicht schafft eine unterschwellige Angespanntheit, weil man zwar Millys Perspektive einnimmt, sie sich jedoch direkt an ihre Mutter wendet. Dabei wird zwischen direkter und indirekter Ansprache gewechselt, was zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber dennoch sehr faszinierend ist. Denn Milly spricht ihre Mutter immer wieder direkt an und gibt oft nur dezente Hinweise, was vor dem Aufenthalt in der Pflegefamilie geschehen ist. So dauert es sehr lange, bis man sämtliche Puzzleteile zu einem Gesamtbild vereint, was von Anfang bis Ende die Spannung hält. 

Zudem erhält man Einblicke in diese Pflegefamilie, der man eigentlich kein Kind anvertrauen würde. Warum ich zu diesem Urteil komme, sollte aber beim Lesen selbst entdeckt werden.

Abstriche gibt es nur, weil mir manche Situationen zu unspektakulär waren, von denen ich mir mehr Informationen und Aufschluss erwartet hatte. Zwar ist der Roman trotzdem sehr gelungen, aber bei bestimmten Szenen hätte ich mir doch ein bisschen mehr Aufklärung gewünscht.

Das Ende ist wahnsinnig gut. Obwohl es nicht besonders überraschend kam, hat Millys Geschichte einen runden Abschluss gefunden, der mich richtig begeistert hat.

Ali Land hat meiner Meinung nach einen außergewöhnlichen Spannungsroman geschrieben, der den Leser von Anfang bis Ende fesseln kann. Wer sich schon einmal gefragt hat, wie es den Kindern von Serienmördern ergeht, ruhige Spannung und einen interessanten Erzählstil mag, hat mit „Ich bin böse“ einen Pageturner gefunden, der bestimmt noch viele Leser für sich einnehmen wird. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at