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Ein Irland-Epos beginnt

Die Herren der Grünen Insel - Kiera Brennan, Reinhard Kuhnert

Irland 1166. Von einem irischen Reich kann nicht die Rede sein, denn die Gebiete der Insel sind vieler Herren untertan. Langjährige Kriege, blutige Fehden und grausame Machtkämpfe prägen die Geschichtsschreibung bis sich die Herren der Grünen Insel einem neuen Feind gegenübersehen: Henry Plantagenet strebt die alleinige Herrschaft über Irland an. Werden sich die irischen Herren vereinen und gemeinsam diesem Feind entgegen treten?

Kiera Brennan hat mit „Die Herren der Grünen Insel“ einen beeindruckenden Epos und Reihenauftakt begonnen. Die Autorin beleuchtet die Zustände in Irland, geht auf familiäre und politische Verstrickungen ein und zeigt, dass das Spiel um Macht und Ehre Geschichte geschrieben hat.

Irlands Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, dabei nimmt man als Leser bzw. Hörer die Sicht der unterschiedlichen Familien und ihren Vertretern ein. Ascall, der gefürchtete Krieger, Caitlín, die Königstochter, die er entführt, der verschlagene Händler  Pól, der die Insel mit Waffen versorgt, seine Tochter Róisín, die im Kloster einen geistlichen Weg anstrebt, Aoife, die von Königin Eleanore lernt, Riacán, der seine Schwester Caitlín von Ascall zurückholen will, und noch einige mehr, die ein überforderndes Gesamtbild ergeben.

Meinem Geschmack nach waren es zu viele Personen und zu viele Perspektiven, die nicht nur den Leser sondern auch die Autorin etwas überfordern. Kapitelweise geht man mit den Figuren ihren Weg, was allerdings bei mir nur dazu geführt hat, dass ihre Erzählstränge wie kurze Blitzlichter im Gesamtbild untergehen.

Parallelen zu George R.R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ liegen für mich auf der Hand. Mir scheint, die Autorin hat versucht, der irischen Geschichte eine ähnliche Sogwirkung zu verleihen, was meiner Ansicht nach leider nicht funktioniert hat.

Es ist nicht nur, dass die vielen Figuren eher verwirrend sind, sondern, dass ich die einzelnen Passagen als ziellos empfunden habe. Es hat mir am Spannungsbogen gefehlt und ich hatte das Gefühl, dass die Handlung vor sich hin tröpfelt.

Die Ziellosigkeit ist mein größter Kritikpunkt, weil sich für mich kein roter Faden ergeben hat. Die Erlebnisse der Figuren wirken eher chronologisch aneinandergereiht anstatt ineinanderzugreifen und während des gesamten Hörvergnügens war für mich nicht erkennbar, wohin die Reise gehen soll.

Trotz dieser Kritik wurde ich vom Hörbuch auf die grüne Insel entführt und habe es doch recht interessant gefunden. Man ist mitten im Kampf um deren Vorherrschaft, erfährt, von welchen Motiven die Personen geleitet werden, warum manche Figur so grausam ist oder wie rasch die verletzte Ehre eines Hochwohlgeborenen in einer blutigen Schlacht enden kann.

Besonderes bemerkenswert ist der historische Flair, den die Autorin in ihrem Werk geschaffen hat. Sie lädt auf die Grüne Insel im Mittelalter ein und man merkt jeder einzelnen Szene die fundierte Recherche an.

Sprecher Reinhard Kuhnert hat angenehm vorgetragen, auch wenn er dem gleichförmigen Verlauf der Geschichte keine zusätzliche Dynamik geben konnte. Auf jeden Perspektivenwechsel wird durch die Nennung des Namens hingewiesen, sodass man gut die Orientierung behält.

Insgesamt sehe ich in „Die Herren der Grünen Insel“ einen beeindruckenden Epos, der meinen Respekt verdient hat. Allerdings konnte mich weder das Schicksal Irlands noch der Werdegang der viel zu vielen Figuren fesseln, mir hat es dafür am großen Plan und der zugehörigen Spannung gefehlt.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at