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Eine Galaxie, neun herrschende Planeten & eine sehr bescheidene Umsetzung

Rat der Neun - Gezeichnet - Veronica Roth, Petra Koob-Pawis, Michaela Link

Nicht nur die Welt, sondern eine ganze Galaxie wird von Gewalt und Rache beherrscht. In diesem Universum hat jeder Mensch eine besondere Gabe und manche haben ein Schicksal, dem sie sich fügen müssen. Außerdem gibt es Orakel, die die Zukunft gestalten, der man kaum entkommen kann.

Bei „Rat der Neun. Gezeichnet“ handelt es sich um einen Reihenauftakt, der die Unterdrückung von Völkern, große Politik, den Herausforderungen der Diplomatie gepaart mit Science-Fiction-Elementen behandelt.

Unvorbereitet findet man sich in dieser Galaxie, die mit ihrer komplexen Geschichte, ihren schwer zu durchschaubaren Regeln und fremden Riten schwierig zu fassen ist. Ich wusste von Vornherein, dass man der Handlung und der Geschichte Zeit geben muss und so habe ich mich gerne darauf eingelassen.

Allen voran stehen die Figuren Akos und Cyra, deren Völker verfeindet sind. Akos landet bei Cyras Volk in Gefangenschaft und so erfährt der Leser aus beiden Perspektiven, wie die Geschichte weitergeht.

Akos ist ein überlegter, optimistischer und sehr beharrlicher Typ. Er gibt nicht auf, macht, was zu machen ist, und sieht in allem das Gute, anstatt sich mit dem Schlechten auseinanderzusetzen.

Cyra ist fast das Gegenteil, auch wenn es nur äußerlich so scheint. Denn sie kann genauso beharrlich sein, setzt aber auf eine aggressivere Art ihren Willen durch.

Es werden abwechselnd die Perspektiven der beiden Protagonisten eingenommen.Schon allein der Erzählstil ist manches Mal eine Herausforderung. Während Cyra in der Ich-Perspektive zu Wort kommt, werden Akos’ Passagen in der dritten Person erzählt. 

Ich wusste beim Lesen, dass die Figuren Tiefe und Charakter haben, jedoch hatte ich das Gefühl, als ob mich die Autorin bewusst auf Abstand hält. Es fiel mir schwer, Akos und Cyra kennenzulernen, mich auf sie einzulassen und mit ihnen mitzufiebern. Ich habe ihre gemeinsame Geschichte seitenweise als sehr zäh empfunden und es kam mir oft wie die chronologische Abhandlung unbedeutender Ereignisse vor, bis mal so nebenbei eine Schlüsselszene Erwähnung fand.

So kommt es, dass ich mich nach einem fulminanten Einstieg über hunderte Seiten hinweg gequält habe, weil ich doch hoffte, dass es besser wird. Besser wurde es auf jeden Fall, denn das letzte Viertel hatte es in sich, war richtig gut und endlich ist auch das Kopfkino gelaufen, was trotzdem das Mühsal mit den vorherigen Passagen nicht vergessen gelassen hat.

Es ist schwierig in Worte zu fassen, was hier genau nicht funktioniert hat. Für mich hat es sich angefühlt, als ob die Autorin auf Zwischentöne verzichtet hat, den Leser mit den Fakten ihrer Geschichte erschlägt, sich auf Ursache-Wirkung beschränkt und ihn einfach nicht an der wahren Komplexität ihrer Handlung teilhaben lassen kann. 

Extrem gut hat mir dafür die Welt gefallen, in die mich die Autorin verfrachtet hat. Eine Galaxie, neun herrschende Planeten, Lebensgaben und Schicksale - faszinierender könnte es nicht sein. Doch leider gerät dieser außergewöhnliche Rahmen zum nebulösen Hintergrund, den man sich anfangs hart erarbeiten muss und zum Ende hin eigentlich vergessen kann, weil er gar nicht so wichtig ist.

Es fällt mir sehr schwer, dieses Buch so bescheiden zu bewerten, weil ich Veronica Roth als Autorin schätze und ich das Szenario der Rat-der-Neun-Reihe großartig finde. Trotzdem ändert es nichts daran, dass ich mich durch gut drei Viertel dieses Buchs gequält habe und zum Schluss nur noch mit einem passablen Ende und etlichen offenen Fragen bei der Stange gehalten wurde.

Veronica Roth hat mit ihrem Reihenauftakt „Rat der Neun. Gezeichnet“ einen großartigen Rahmen geschaffen. Sie vereint Science-Fiction-Elemente im düsteren dystopischen Gewand mit übernatürlichen Fähigkeiten und dem Kampf zwischen Völkern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch so ähnlich sind. Allerdings hat mich die Autorin einfach nicht packen, mich nicht für sich gewinnen und leider auch nicht an ihre Figuren fesseln können, was mich noch immer sehr traurig macht.

Meine Empfehlung in diesem Fall ist, sich selbst ein Bild - eventuell anhand der Leseprobe - vom „Rat der Neun“ zu machen, denn ich bin mir sicher, dass es vielen anderen besser gefällt.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at