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Besonders wissenschaftliche Science Fiction

Das Erbe der Sterne: Roman - Meisterwerke der Science-Fiction (Riesen-Trilogie 1) - James P. Hogan, Andreas Brandhorst

Am Mond wird in einer Höhle die Leiche eines Raumfahrers entdeckt. Auf der Erde weiß niemand, wer dieser Mann ist und wie er dahin gekommen ist. Noch rätselhafter als sein Ursprung ist aber das Alter der sterblichen Überreste - denn es stellt sich heraus, dass die Leiche 50 000 Jahre alt ist. Damit steht die Menschheit vor einem Mysterium.

Dieser Science Fiction Roman ist ursprünglich in den 1970er-Jahren erschienen und hebt sich durch seinen hohen Wissenschaftsanteil von anderen Vertretern des Genres ab. 

Das Mysterium um diesen Mann im Mond stellt die Wissenschafter der Erde vor ein Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt. In Laboren arbeitet man auf Hochtouren, Experimente werden durchgeführt und Ergebnisse werden zur Diskussion gestellt. Aber so recht kann sich niemand erklären, warum die menschlichen Überreste vom Mond so alt sein können. Denn vor 50 000 Jahren hat es noch gar keine Menschen gegeben. Wie kommt es dann, dass ein Vertreter der menschlichen Spezies im Raumanzug am Mond spaziert?

Man kann sich vorstellen, dass ein solcher Fund das gesamte bisher angehäufte Wissen in Frage stellt. Wahrheiten werden gebogen, mit Paradigmen wird gebrochen und die Geschichte der Menschheit wird neu erfunden.

So spannend diese Geschichte und die Handlung an sich ist, so nüchtern wird sie von Autor James P. Hogan beschrieben. Der Roman gleicht eher einem Forschungs- oder Tatsachenbericht, der vom Protagonisten und Leiter für Theoretische Studien Dr. Victor Hunt verfasst worden ist. Es werden lediglich Fakten abgehandelt und tiefe Emotionen oder dichte Figuren in den Hintergrund gepackt. Alles was zählt sind die Fakten, die präsentiert werden, die Wissenschafter, die zusammen arbeiten und die Erkenntnisse, die davon abgeleitet werden.

Das ist auch mein größter Kritikpunkt, weil es dadurch manchmal ganz schön zäh zu lesen ist. Obwohl ich wissenschaftlichen Auseinandersetzungen nicht abgeneigt bin, hat es von mir oft ein hohes Maß an Konzentration gefordert, damit ich den präsentierten Fakten folgen kann. Sämtliche Figuren sind Namen auf Papier geblieben und nicht einem wurde Leben eingehaucht, was ich in Anbetracht der spannenden Thematik sehr schade finde.

Spannend ist dafür das Umfeld, das sich der Autor ausgedacht hat, weil es wunderbar die 70er-Jahre spiegelt. Wissenschaft und Forschung sind vom Kalten Krieg geprägt, Wettkampfsituationen zwischen zwei Supermächten stehen im Vordergrund, jeder will schneller und besser als der andere sein, und man hat Angst, dem Feind zu unterliegen.

Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Landschaft und Führungselite ausschließlich vom männlichen Geschlecht geprägt. Nur eine einzige Frau kommt in der gesamten Handlung vor, und hier auch nur, um ein bisschen - wirklich nur ganz, ganz wenig - Sex-Appeal in den Roman zu bringen. Man fühlt durch den Roman heraus die Epoche, in dem er entstanden ist, und schon allein deshalb hat es mir dann doch Spaß gemacht, dem Geheimnis hinter dem Mann am Mond auf den Grund zu gehen.

Aus heutiger Sicht ist „Das Erbe der Sterne“ sicherlich kein Pageturner, wartet dafür aber mit einer interessanten Handlung auf und lässt einen Blick auf seine Entstehungszeit zu, was ihn auf seine Art sehr lesenswert macht. 

Alles in allem kann ich diesen Science-Fiction-Roman Lesern empfehlen, die vom Genre ohnehin begeistert sind oder eine besondere wissenschaftliche Note mögen, die hier an vorderster Stelle steht.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at