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Ein Flugzeugträger voller Bräute

Über uns der Himmel, unter uns das Meer - Jojo Moyes, Katharina Naumann, Luise Helm

1946. Sechshundert australische Frauen treten eine Reise ins Ungewisse an. Quer über die halbe Welt werden sie auf einem ausrangierten Flugzeugträger von einem Kontinent auf den anderen gebracht. Denn in England warten nicht nur ihre Ehemänner sondern auch ein ganz neues Leben auf sie.

Jojo Moyes greift eine wahre Begebenheit auf und verflicht sie zu einem wunderbaren zeitgeschichtlichen Roman. Es war tatsächlich so, dass während der Wirren des 2. Weltkriegs britische Soldaten etliche australische Frauen geehelicht haben. Diese Bräute mussten nach den Kriegshandlungen in ihre neue Heimat verfrachtet werden. ‚Verfrachtet‘ trifft es hier ganz gut, weil jedes zur Verfügung stehende Schiff verwendet wurde. So kam es, dass sich 600 Frauen auf einem Flugzeugträger in Richtung Großbritannien wiederfanden.

Stellvertretend für das Schicksal all dieser Frauen erzählt Jojo Moyes anhand ihrer Figuren Frances, Avice, Margaret und Jean von der schicksalsträchtigen Fahrt, quer über das Meer. 

Avice ist eher die feine Dame, die sich in Großbritannien ein standesgemäßes Leben erhofft, Margaret ist der Farmertyp, der schwanger und mit beiden Beinen am Boden steht, Jean ist der Jungspund unter den Frauen, weil sie gerade einmal 16 Jahre alt ist, und Frances trägt ein düsteres Geheimnis mit sich herum, das ihr zum Verhängnis werden kann. Obwohl sie total verschieden sind, müssen sich diese vier Frauen eine Kabine teilen und zeigen sich gegenseitig, dass man diese Reise einfach überstehen muss. Gleichzeitig spiegeln sich Ängste und Hoffnungen der Frauen, weil keine von ihnen weiß, was sie wirklich erwarten wird.

Hunderte von Frauen haben mehr oder weniger fremde Soldaten geheiratet, die sie meist nur wenige Tage kennen. Jede von ihnen muss sich auf ihr Urteil verlassen und vielleicht fürchten, ob sie nicht statt des Prinzen einen Frosch geheiratet hat. Außerdem wusste auch keine, was und wer sie in England erwarten wird. Werden sie mit offenen Armen von ihrer neuen Familie empfangen? Oder sind sie in Australien einen Schwindler auf den Leim gegangen? 

Meiner Meinung nach arbeitet Jojo Moyes all diese Gefühle facettenreich heraus, indem sie ihre Protagonistinnen zu Wort kommen lässt. In Rückblicken erfährt man, wer sie sind, aus welchem Leben sie stammen und wie sie ihre Männer kennengelernt haben. Dabei merkt man, dass zwar jede zuversichtlich, aber keine allzu blauäugig ist.

Natürlich kommt eine derart ungewöhnliche Überfahrt nicht ohne Zwischenfälle aus. Denn die Mannschaft besteht aus Männern, die dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt sind. Außerdem macht ihnen die raue See, neben mancher ausufernden Party, sowie kleineren und größeren Katastrophen einen Strich durch die Rechnung, daher ist es insgesamt recht abenteuerlich. 

Zwar könnte man auch anmerken, dass die Geschichte etwas eintönig ist, doch hier hat sich Jojo Moyes mit einer zarten Liebesgeschichte geholfen, die der Handlung mehr Lebendigkeit bringt. Aufgrund des realen Hintergrunds hat die Autorin allemal einen sehr schönen Roman geschrieben, der mir als Hörbuch gut gefallen hat.

Sprecherin Luise Helm hat wunderbar einfühlsam vorgetragen und ich hatte tatsächlich das Gefühl mitten unter den vielen Frauen dabei zu sein.

Wenn man also anhand eines Romans mehr über die Überfahrt dieser Bräute nach England erfahren will, dann sollte man sich unbedingt dieses Buch gönnen, weil es sehr schön zu hören und sicherlich auch gut zu lesen ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at