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Lockere Unterhaltung mit tiefem Kern

Ein Mann namens Ove (Hörbestseller) - Fredrik Backman, Stefanie Werner, Heikko Deutschmann

Ove ist ein Pendant. Bei seiner morgendlichen Runde schreibt er die Falschparker auf, achtet drauf, dass das Fahrverbot in der Siedlung eingehalten wird und sagt direkt, was er denkt, ohne auf die Gefühle seiner Mitmenschen zu achten. Doch Oves neue Nachbarsfamilie schafft es schnell, sich das Herz des alten Grantlers zu erschleichen. Indem sie gleich einmal seinen Briefkasten niederfährt …

Dieser Roman ist ein modernes Märchen, dass sich mit Lebensfreude, Zusammenhalt und den schönen Kleinigkeiten im Alltag auseinandersetzt. Er beschäftigt sich damit, was wirklich wichtig ist, wie man gegenseitig auf sich achtet und dass man aus einer Mücke keinen Elefanten zu machen sollte.

„Ein Mann namens Ove“ handelt von einem alten Grantler, der keinen Sinn oder Freude mehr im Leben sieht. Oves Lebenswerk ist seiner Meinung nach vollbracht, als er in die Pension verabschiedet wird. Schon immer war ihm wichtig, dass alles seine Ordnung hat und nun steht er einem Lebensabend ohne feste Tagesordnung gegenüber. Ove ist pedantisch, er nimmt alles ganz genau und will auch bei anderen die Fünf nicht grad sein lassen.

Ich glaube, dass man als Leser rasch den einen oder anderen ‚Ove‘ im eigenen Leben identifiziert. Viele Nachbarschaften haben es mit einem Nörgler zutun, der schon einmal die Familie gegenüber angezeigt hat, weil sie eine halbe Stunde zu lange den Rasen mähen.

Aber in Ove schlummert viel mehr, was seine neuen Nachbarn rasch erkennen und ihm - ob er will oder nicht - zu einem Teil ihres Lebens machen.

Dieses Buch lässt einen laut lachen, sich ärgern, über Ove den Kopf schütteln und die Courage der jungen Frau von nebenan bewundern. Meistens habe ich mit einem Lächeln gelauscht, weil es eine wunderbare Geschichte ist, die einem das Herz erwärmt.

Von Ove wird in sehr nüchternem Ton erzählt. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit Ove und den Aktivitäten, die er setzt. Beispielsweise „Ein Mann namens Ove parkt mit Anhänger rückwärts ein“ schildert die erste Begegnung mit der besagten Nachbarsfamilie. Obwohl diese märchenhaften Überschriften anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sind, wusste ich nach einiger Zeit schon, dass Ove und mich eine skurrile Situation erwarten wird, wenn es zum nächsten Kapitel ging.

Dabei erfährt man nicht nur, was Ove in der Gegenwart treibt, sondern blickt in sein Leben zurück. Es wird erzählt, wie Ove seine Jugend verbracht hat, wie er seine Frau kennen und lieben lernte und wie er zu seinem Job gekommen ist. Dabei merkt man schnell, was im Leben wirklich wichtig ist, und spielt dabei eine facettenreiche Gefühlspalette durch. Denn es gibt schöne, traurige, hoffnungsvolle und verzweifelte Momente, die Ove auf seinen Weg bis zum niedergenieteten Briefkasten hinter sich gebracht hat.

Gleichzeitig gibt der Autor sogenannten „Randgruppen“ sehr viel Raum, was mir unheimlich gut gefallen hat. Ausländer, Dicke und Homosexuelle nehmen den Platz der Nebenfiguren ein und weisen darauf hin, wie unwichtig diese eine Eigenschaft ist, weil man es immer mit einem Menschen als Ganzen zutun hat.

Ich habe mich mit Ove herrlich amüsiert und den alten Griesgram hatte ich nach einiger Zeit ins Herz geschlossen. Es war wunderschön zu erleben, wie Ove einen neuen Lebensabschnitt beginnt und sich dabei von einer skurrilen Situation in die nächste manövriert.

„Ein Mann namens Ove“ ist lockere Unterhaltung mit einem tiefen Kern. Obwohl es sich sehr leicht hören lässt und durch den humorvollen Grundton zum Lächeln und Lachen anregt, steckt viel harte Realität in diesem Buch, die man dank Ove nach der Lektüre hoffentlich positiver sieht.

Ich kann dieses (Hör-) Buch bedingungslos weiterempfehlen. Es ist eine dieser Geschichten, die man sich ab und zu mal gönnen soll, um mit einem Lächeln auf den Lippen durch das eigene Leben zu gehen. 

P.s.: „Grantler“ ist ein österreichischer Ausdruck für einen griesgrämigen Menschen. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at