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Dämonen der Vergangenheit

Der Fährmann - Bernhard Kleinschmidt, Christopher Golden, John Howe

Wenn sich alte Mythen aus der Vergessenheit erheben, die Grenzen zwischen Hier und Dort verschwimmen und sich jemand wagemutig gegen den Tod stellt, ist es an der Zeit, den Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit aufzunehmen.

David und Janine finden nach einem Schicksalsschlag langsam wieder zueinander. Während sie   sich ganz behutsam einandern nähern, greift ein dunkler Schatten nach ihnen, dem es zu Entrinnen gilt.

Es handelt sich um einen Horrorroman, der mit den besten Elementen des Genres spielt. Emotionale Dichte, verstörende Momente und religiöse Mythen vereinen sich zu einem ausgezeichneten Gänsehaut-Roman.

Gleich zu Beginn wird man mit einer mystischen Traumwelt konfrontiert. Es dauert, bis man sie einordnen kann, dennoch gibt sie der Geschichte ihre Richtung und sorgt von Anfang an für die richtige Grundstimmung.

David und Janine stehen im Vordergrund, wobei ich den Lehrer David als Protagonisten bezeichnen würde. Durch Janine wird er ins Zentrum einer unheimlichen Bedrohung gezogen, die sich langsam zu manifestieren beginnt. David ist Lehrer und hat in letzter Zeit seltsame Erscheinungen, die er sich nicht erklären kann. Sie machen ihm Angst, trotzdem versucht er sie abzuschütteln.

Diese Erzählweise hat mich an alte Horrorfilme aus den 1970ern erinnert. Ich mag es, wenn man zuerst einmal mit der Normalität der Figuren vertraut gemacht wird und dazwischen immer das Unheimliche aufblitzt. Meist wird aus Davids Perspektive von seinem Alltag erzählt und nach und nach kommt es zu verstörenden Zwischenfällen, die er sich nicht erklären kann.

Janine steht im Mittelpunkt und hat schwer mit ihrer Vergangenheit zutun. Gescheiterte Beziehungen und ein einschneidender Schicksalsschlag haben ihr Leben dramatisch verdreht. Nun versucht sie wieder auf die Füße zu kommen und ist froh, dass sie einen Freund wie David hat.

Außerdem wird der Hardcore-Exorzismus-Religion ebenfalls Raum gegeben und genau damit hat man mich an der Angel. Ich finde es einfach total spannend, wie aus römisch-katholischer Perspektive damit umgegangen wird. Denn hier ist schon die Realität ein Horrorroman, die vom Autor geschickt eingewoben wird. Christopher Golden beschränkt sich aber nicht nur darauf, sondern geht gleichzeitig alte Mythen und Legenden an.

Weniger gefallen haben mir einige Beziehungskisten, die mir einfach zu viel geworden sind. Zum Ende hin musste es zwar sein, weil es ansonsten nicht rund gewesen wäre, trotzdem hätten ein paar Schreckmomente mehr und etwas weniger Pärchen-Gehabe dem Roman insgesamt gut getan.

Normalerweise gehe ich nicht auf die Aufmachung von Büchern ein. Doch „Der Fährmann“ ist eine Zierde, was nicht unerwähnt bleiben darf. Der hochqualitative Einband wird von schwarzen Seitenrändern geziert und man merkt bei der ersten Berührung, wie viel Liebe in alle Details geflossen ist.

Klassischer Horror spiegelt sich durchgehend in allen Szenen wieder. Bedrückende, vom Bösen triefende, Momente wechseln sich mit heiteren Stunden ab, über die eine fühlbare Bedrohung schwebt. Obwohl es stellenweise sehr ruhig zu lesen ist, spürt man, dass sich im Hintergrund wahrhaft Bedrohliches zusammenbraut und man eine wahre Horror-Story in den Händen hält.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at