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Trotz einiger Abstriche eine bezaubernde Geschichte

Die Reise der Amy Snow: Roman - Tracy Rees, Elfriede Peschel

Amy Snow wurde einst als Baby im Schnee gefunden und Aurelia Vennaway hat ihr im Herrenhaus Hatville ein Zuhause gegeben. Es ist aber ein Zuhause, in dem sie nicht willkommen ist und nur Aurelia als Freundin hat. Als Aurelia in jungen Jahren stirbt, lässt sie ihre beste Freundin Amy Snow nicht in Stich. Denn sie schickt sie mittels Briefen auf Schatzsuche, um ihr ihr letztes Geheimnis zu offenbaren.

Meiner Meinung nach geht es in „Die Reise der Amy Snow“ vordergründig um Freundschaft und Familie. Indem die kleine Amy als Waisenkind zu den Vennaways kommt, hat sie nie die Freundlichkeit und Liebe einer Familie erfahren. Erst auf ihrer Reise merkt sie, wie schön das sein kann.

Hintergründig behandelt dieses Buch noch tiefgreifendere Themen. Tracy Rees erzählt durch Amy Snow, wie es war, eine Frau im viktorianischen Zeitalter zu sein. Sie zeigt die Möglichkeiten und Wege auf, die einem jungen Mädchen zur Verfügung standen, wo die Grenzen lagen und was geschah, wenn sie übertreten wurden. 

Die Ausgangslage dieses Romans ist märchenhaft. Amy Snow wird als Baby von Aurelia Vennaway im Schnee gefunden und sofort adoptiert. Aurelia - starrsinnig, geliebt und wunderschön - schafft es, sich dem Willen ihrer Eltern zu widersetzen, und so wächst Amy Snow bei den Dienstboten im Hause Hatville auf. 

Mit den Jahren werden die jungen Frauen zu Vertrauten und besten Freundinnen bis Aurelia schwer erkrankt. Vor ihrem verfrühten Tod fädelt sie noch eine geheimnisvolle Schatzsuche ein, die ihre Amy quer durch England schicken wird.

Amy ist eher zurückhaltend, weil sie niemals Geborgenheit erfahren hat. Sie ist sich bewusst, dass sie keine Lady ist, auch wenn ihr Aurelia zu ihren Lebzeiten das Gegenteil erklärt. Gleichzeitig hat sie nie über Hatville hinausgeblickt und merkt erst nach Aurelias Tod, was es dahinter alles zu entdecken gibt.

Besonders diesen Pioniercharakter hat die Autorin wundervoll beschrieben. Amy Snow geht mit ihrer naiven Art die Eroberung ihres neuen Lebens an. Hier konnte ich mich sehr gut in die Protagonistin einfühlen und ich habe mich für sie gefreut, als sie mutig der Welt entgegentrat.

Die Handlung hat mir in ihren groben Zügen sehr gut gefallen. Sämtliche Entwicklungen und Stationen sind gut eingefädelt und hervorragend ausgearbeitet, sodass ich anfangs sofort in dem Roman versunken bin.

Leider wurde die Geschichte von der eigenen Zeit eingeholt. Der Roman spielt im viktorianischen Zeitalter. Das ist die Zeit, in der man sofort an Jane Austen und Charles Dickens denkt. Gerade die letzten Abschnitte haben mich stark an die beiden Autoren erinnert - denn auch wenn ich großen Respekt vor ihnen haben, fange ich persönlich mit ihrem Stil gar nichts an.

Ich mag das Geplänkel einfach nicht. Teegesellschaften, Bälle und Etikette bringen mich zum Gähnen, und wenn es nur mehr darum geht, was sich geziemt und wie es sich gehört, fallen mir die Augen zu. Diese Erzählweise hat nach gut der Hälfte überhand genommen und ist der Grund, warum ich es nicht besser bewerten kann. Zwar hat mir die Geschichte gefallen, doch diese Art der Umsetzung finde ich einfach langweilig. Außerdem kam dann noch so manches taubenhafte Geturtel und eine Dreiecksgeschichte dazu, was mir etwas zu viel des Guten war.

Insgesamt ist „Die Reise der Amy Snow“ eine bezaubernde Geschichte über Kinder, Frauen und Familien und darüber, welche Wahl man als Frau überhaupt hat. Trotz meiner Abstriche denke ich, dass ich es Interessierten auf jeden Fall empfehlen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at