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Radikal böser Dracula-Roman

SHIFTERS - Radikal böse - John Pelan, Edward Lee

Bestialische Morde geschehen in San Francisco. Bisswunden deuten auf Kannibalismus hin. Doch Captain Jack Cordesman ist dank einiger roter Haare am Tatort der blutigen Wahrheit auf der Spur.

Bei „Shifters. Radikal böse“ handelt es sich um eine großartige, moderne Dracula-Adaption. Meiner Meinung nach liegt das Hauptthema eindeutig beim Vampirismus, wobei die zugehörigen Elemente wie unerklärliche Wollust sowie Begierde, die Faszination der Dunkelheit und die makellose Schönheit des unstillbaren Blutdursts etwas extremer vertreten sind.

Zu Beginn werden etliche Figuren eingeführt, was mir zuerst die Orientierung in der Geschichte erschwert hat. Grob gesehen sind wohl diese Charaktere am wichtigsten:

Es gibt die rothaarige Frau von vollkommener Schönheit, die episodenhaft von ihrer Existenz berichtet. Dabei geht sie auf ihre Vergangenheit genauso wie auf ihre Gegenwart ein und gerade zu Beginn fiel es schwer, sie einzuordnen.

Locke ist ein distanzierten Dichter, der sein Herz an eine Frau verloren hat und nun mit seinem Liebeskummer kämpft. 

Und natürlich gibt es Captain Jack Cordesman, den Ermittler, der meinem Gefühl nach nur eine Nebenfigur ist. Er beschäftigt sich mit den großen Philosophen und ist ein gestandener Cop.

Daneben werden zahlreiche Randfiguren eingeführt, die relativ rasch wieder verschwinden. Trotzdem haben allesamt Tiefe bekommen und jede einzelne davon hat auf mich glaubwürdig gewirkt.

Die vielen Perspektivenwechsel lassen den Leser im Dunkeln tappen, allerdings bringen sie eine faszinierende Dynamik und Anspannung in die Handlung rein, wodurch ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. 

Wermutstropfen sind für mich die poetischen Abschnitte, die bei Locke immer wieder in den Vordergrund rücken. Seinen Gedichten wird viel Raum gegeben und ich bin ein Mensch, der mit Poesie nicht viel anfangen kann.

Der mystische Rahmen um den Vampirismus wird in all seinen Facetten beschrieben. Hier sind etliche Hardcore-Szenen dabei, die sich zarte Gemüter nicht antun dürfen. Oft ist es sexy, gespenstisch und so richtig ekelhaft. 

„Sie erschufen Dinge, die uns bis hinab in unsere primitivsten Gene Angst machten.“ (S. 338 - 339)

Cordesmans Ermittlungen holen einen immer wieder in die Realität zurück, während man bei den anderen Abschnitten in eine dunkle, blutige Welt abdriftet. Das finde ich sehr gelungen beschrieben, weil ich es gern mag, wenn die Realität auf das Außergewöhnliche trifft.

Einige Entwicklungen waren mir zu philosophisch angehaucht oder sind mir zu schnell aus der Handlung entschwunden. Trotzdem es ist ein Vampir-Roman mit Hand und Fuß, der mich mit seiner radikal bösen Stimmung von Anfang an gefangen hat.

Alles in allem lässt sich „Shifters. Radikal böse“ extrem gut lesen und hat einen Horror-Splatter-Schliff vom Feinsten. Demzufolge kann ich es an Horror- , Splatter- und Vampir-Freunde absolut weiterempfehlen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at