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Bereits gelesen: 38/463 pages

Unheimliche Geschichten

Northern Gothic: Unheimliche Geschichten - Andreas Gruber

Perverse Altenpfleger, in den Wahnsinn treibende Puzzles, verstörende Hinterwäldler und fremde Dimensionen - Gruber zeigt, was das Repertoire des Horrors alles zu bieten hat.

Insgesamt sind 13 Geschichten in diesem Band vereint, wobei schon allein der Prolog mit dem Schaurigen punkten kann.

In diesen Kurzgeschichten geht Gruber mehrere Themen an. Eingangs beschreibt er immer, aus welcher Schaffenszeit die Geschichte stammt, wie er auf die Idee gekommen ist und wann und wo sie erstveröffentlicht wurde. So erfährt man gleichzeitig auch Hintergründe zu seinem Autorenleben.

Meine Lieblingsgeschichte dieser Sammlung ist "Glauben Sie mir, mein Name ist Dr. Watson!“, weil Gruber hier mit den verschiedensten literarischen Figuren spielt und sie äußerst geschickt in einer Gänsehaut-Geschichte vereint. 

Absoluten Gruselfaktor hat meiner Meinung nach "Das Bahnwärterhaus" - eine Geschichte, die mich richtig gefangen genommen hat. Denn hier wird das ländliche Leben in Österreich thematisiert, wie ich es selbst kenne, und ich kann nur bestätigen, dass die Umstände dieser Story durchaus glaubhaft sind.

Laut Gruber hat er sich die beste Geschichte für den Abschluss des Bandes aufgehoben und es stimmt schon, dass einem „Northern Gothic" - mit dem Motiv der furchterregenden Hinterwäldler - wahrlich Angst einjagen kann.

Geografisch betrachtet bleibt Gruber meist daheim. Viele Geschichten sind in Österreich angesiedelt, wobei er manchmal in andere europäische Gefilde wechselt oder den Leser in die USA entführt.

Alles in allem haben mir alle Geschichten gefallen. Ein oder zwei davon gehen mir zu sehr in den Fantasybereich, den ich persönlich weniger mag, und bei einer davon bin ich nach wie vor am Überlegen, ob ich sie überhaupt verstanden habe.

Bei fast allen Geschichten spielt Andreas Gruber mit einer abrupten Wendung und geht auch schon zu Beginn auf diesen literarischen Kniff -  der in der Filmbranche ‚Twist‘ genannt wird - ein. Daher wird man vom ihm lange Zeit auf’s Glatteis geführt bis sich eine ungeahnte Perspektive eröffnet.

Mir hat dieser Erzählstil sehr gut gefallen, nur kam mir der ‚Twist‘ an sich meist zu früh und zu brutal ins Spiel. Ich bin eine Leserin, die sich von Schriftstellern gerne über längere Zeit einlullen lässt, bis der Horror vor mir steht und mir ins Gesicht grinst. Ich denke aber, dass diese kleine Kritik meinerseits eben dem Charakter von Kurzgeschichten geschuldet ist.

Meiner Ansicht nach sind diese unheimlichen Geschichten aus Andreas Grubers Feder allesamt lesenswert. Thematisch grundverschieden, vom Ablauf her ähnlich aufgebaut, dennoch immer mit überraschenden Wendungen, lässt es sich gut gruseln und ich freue mich, dass Österreich wahre Horror- und Thriller-Talente zu bieten hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at