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Eiskaltes Drama

Herz auf Eis - Kirsten Gleinig (Übersetzer), Isabelle Autissier

Louise und Ludovic nehmen sich eine Auszeit und gehen auf große Segelfahrt. Fernab vom Pariser Alltagstrott gehen sie das Abenteuer ihres Lebens an, ohne zu ahnen, womit sie dafür bezahlen müssen.

Isabelle Autissier hat mit „Herz auf Eis“ mehrere Themen zu einem brisanten Gesamtwerk vereint. Einerseits geht sie auf die Ketten des Alltäglichen ein. Sie spricht von den Verpflichtungen, denen wir ab und an gern den Rücken kehren würden. Andrerseits zeigt sie, wie sehr sich der Mensch von der Natur entfremdet hat und wie er dennoch im Ausnahmezustand um sein Leben kämpfen kann. 

Ausgangslage sind das Pariser Paar Louise und Ludovic. Sie sind jung, verdienen passabel und wollen sich eine Auszeit von ihrem Leben gönnen. Himmelhochjauchzend gehen sie auf einen Segeltörn, der sie über Rio de Janeiro bis zu einer unbewohnten Insel vor Kap Hoorn führt, wo die Reise unvermutet zu Ende ist. 

Nun heißt es für das Paar um ihr Überleben zu kämpfen. Denn die Insel liegt abseits aller befahrenen Routen und der Kampf gegen Hunger und Kälte beginnt. 

Die einsame Insel im Robinson-Stil hat eine Naturgewalt in sich, vor der man nur den Hut ziehen kann. Die Autorin beschreibt eindringlich die Schönheit und die Schrecken der Einsamkeit. Man fühlt die salzige Meeresluft, die eiskalte Nässe im Gesicht und hört die Pinguine schnattern. 

Dabei kämpfen Louise und Ludovic nicht nur um ihr körperliches Überleben, sondern auch ihre Liebe ist mittlerweile auf Eis gelegt. Wer hat die Schuld an diesem Drama? Wie konnte es nur geschehen, dass sie in dieser unwirtlichen Gegend gestrandet sind? Und warum haben sie sich überhaupt erst auf diese große Fahrt eingelassen?

Hier spannen sich im Verlauf der Erzählung zwei Fronten, die aufreibender nicht sein könnten. Einerseits müssen Louise und Ludovic den Naturgewalten die Stirn bieten, ihre bescheidene Unterkunft in Schuss halten und sich um Nahrung kümmern. Andrerseits schaffen sie es kaum, sich gegenseitig zu unterstützen und trauen sich emotional nicht mehr über den Weg. Beissende Kälte, nagender Hunger und gegenseitige Anfeindungen gipfeln in ein Beziehungsdrama, das ihnen eigentlich auch nicht weiterhilft.

Mich hat Isabelle Autissier vor allem mit der Beschreibung der Empfindungen und der Insel überzeugt. Die Autorin schafft ein derart lebendiges Bild von dem einsamen Eiland, dass ich sogar die Pinguine gerochen habe. Man spürt die Gefahr, die Bedrohung und die Hoffnungslosigkeit, die von der Natur und der Situation ausgehen. Dabei wundert es, dass Louise und Ludovic doch einigermaßen die Nerven behalten. Aber ich glaube, die Hoffnung gibt wohl jeder als Letztes auf.

Meistens wird aus Louises Sicht erzählt. Zwar konnte ich mich aufgrund der Extremsituation nicht in sie hineinversetzen, dennoch wurde ich von ihr als Person überzeugt und ihr Schicksal hat mich berührt. 

Das Paar ist sehr realistisch beschrieben und ich konnte Ludovics und Louises Agieren gut nachvollziehen. Ich weiß nicht, was ich in so einer Situation tun würde! 

Zum Ende hin wird mir die Geschichte jedoch etwas zu abgerissen und meiner Meinung nach war der letzte Abschnitt nicht mehr notwendig. Hier wird eine weitere Perspektive herangezogen, die der ursprünglichen Eindringlichkeit der Erzählung sehr viel genommen hat.

In „Herz auf Eis“ werden die Gefühle wirklich auf Eis gelegt. Das blanke Überleben trifft auf bedrohliche Emotionen und vereint sich vor einer atemberaubenden Kulisse zu einem Beziehungsdrama der ganz besonderen Art.