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Ein Buch, das in der Seele trifft

Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman - Anthony Doerr, Werner Löcher-Lawrence

In Frankreich sieht die blinde Marie-Laure dem 2. Weltkrieg entgegen. Gerüchte, Gerüche und Angst begleiten sie durch das besetzte Land. In Deutschland bereitet sich der Waisenjunge Werner auf eine Eliteausbildung vor. Nur die besten Jungen sind auserwählt, für Führer und Vaterland Spezialaufträge zu erfüllen, die ihn an die Grenze seiner Menschlichkeit bringen werden.

Mit „Alles Licht, das wir nicht sehen“ hat Anthony Doerr ein erzählerisches Meisterwerk geschaffen, das einem gebannt in die Zeiten des 2. Weltkriegs versetzt. Anhand der Jugendlichen Marie-Laure und Werner gibt er den Menschen ein Gesicht, treibt sie aufeinander zu und lässt sie wieder ziehen. Und man sieht, dass sie ihrem Schicksal gnadenlos ausgeliefert sind.

Marie-Laure ist blind und hat sich zu arrangieren gelernt. Ihr Vater hat sich stets gut gekümmert, das wissbegierige Mädchen mit allerhand Finessen versorgt und will natürlich gerade in Kriegszeiten das Beste für sie. 

Werner hat es schwer im Leben. Als hochtalentiertes Waisenkind ist er eine Ausnahmeerscheinung, die es weg von den Kohlengruben hin zur Eliteschule schafft. Großes steht ihm bevor - sagen sie. Doch Werner ist sich nicht sicher, ob er diese große Taten wirklich vollbringen will. 

Die Schicksale dieser Jugendlichen sind von der ersten Seite an miteinander verwoben, obwohl sie sich kaum berühren. Abschnittsweise wird von Marie-Laure und Werner erzählt, wie sie ihre Kindheit verbrachten und mit welchen Gefühlen sie dem Krieg gegenüberstehen. 

Dabei hat Doerr einen meisterhaften Erzählstil gefunden, in dem er wie in einem Labyrinth durch die Windungen der beiden Schicksale führt.

Die Geschichte von Marie-Laure und Werner geht unter die Haut. Ich bewundere Autoren, die es schaffen, nicht nur Geschichten sondern Geschichte zu erzählen. Sie geben uns ein Gefühl für die Gegenwart, schärfen den Blick und weisen daraufhin, dass das Leben nicht selbstverständlich ist.

Der 2. Weltkrieg wird in seiner unnachahmlichen Brutalität beschrieben: Luftangriffe, Hungersnöte, Krankheiten und verschwundene Elternteile. Gleichzeitig stempelt der Autor nicht ab, sondern zeigt, warum die Menschen zu ihren Überzeugungen gelangen. Er veranschaulicht, wer sie waren, was sie sind und wie sie sein werden - ohne sich dabei in Schwarzmalerei zu verlieren.

Außerdem gibt er den Besonderheiten dieser Zeit entsprechenden Raum. Abseits vom Kriegsgeschehen stachelt das Radio nicht nur den Fanatismus sondern auch die Wissbegier an. Es überträgt Botschaften, lässt Musik erklingen und rettet oder beendet sogar Menschenleben.

„Alles Licht, das wir nicht sehen“ lässt mich den Hut vor Anthony Doerr ziehen und ihm tief empfundene Anerkennung aussprechen. Dieses Werk berührt, bannt und fesselt. Es ist ein Buch, das mich mitten in der Seele trifft.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at