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Jeffrey Dahmer

Dahmer ist nicht tot: Thriller - Elizabeth Steffen, Edward Lee

1991 wurde durch einen Zufall der Serienmörder Jeffrey Dahmer gefasst. Drei Jahre später hat ihn ein Mithäftling erschlagen. Doch was, wenn er gar nicht gestorben ist?

Dieser Serienkiller-Thriller geht die Thematik mal etwas anders an, weil er Realität und Fiktion vermischt. Ausgangspunkt ist der reale Serienmörder Jeffrey Dahmer, der bis in die 90er-Jahre Menschen ermordet, in Säure aufgelöst, Leichenteile behalten und sogar gegessen hat. 

Die Geschichte beginnt mit seiner Verhaftung, die meiner Meinung nach sehr realistisch beschrieben ist. In Sachbüchern wird sie ähnlich geschildert. Für mich war es in diesem Roman als ob ich wirklich dabei gewesen bin: der muffig-ekelerregende Gestank in der Wohnung, der verwirrte Dahmer, die Cops, die vor lauter Nervosität nicht wissen, wie sie mit der unerwarteten Situation umgehen sollen, und zu guter Letzt, der Blick in den Kühlschrank, der wohl viele Anwesende zum Würgen bringt.

Danach geht die Handlung in einen großteils erfundenen Thriller über, der durch Protagonistin Helen eine erstaunlich erfrischende Note erhält. 

1994 hat ein anderer Häftling Jeffrey Dahmer zu Tode geprügelt. Doch was, wenn dieser Vorfall nur inszeniert wurde?

Damit tritt Captain Helen Closs auf den Plan, die sich mit den Ermittlungen im Dahmer-Fall auseinandersetzen muss. Denn kurz nach Dahmers Tod fangen grausame Morde an, die laut Tathergang und Indizien nur auf einen Täter schließen lassen: Jeffrey Dahmer.

Zuerst einmal hat mir die Thematik um den Serienkiller Dahmer sehr gut gefallen. Früher habe ich beinah morbides Interesse an Serienmördern gehabt, und wenn man ein bisschen etwas über diese Herrschaften weiß, ist dieser Thriller schon fast Pflichtlektüre. 

Ich finde die realen Hintergründe mit der fiktionalen Handlung sehr gut umgesetzt. Meiner Meinung nach wird der Fall Dahmer authentisch geschildert, wobei er im weiteren Verlauf einen guten Thrillertouch erhält.

Der Umsetzung merkt man die Professionalität des Autorengespanns an. Edward Lee ist ein Meister seiner Zunft, der mit blutig-grauslichen Horror-Thrillern gut unterhalten kann. Elizabeth Steffen hat sich mit Täterprofilen und -analysen auseinandergesetzt, wodurch der reale Charakter erhalten bleibt. 

Außerdem hat mir die weibliche Ermittlerin Helen besonders gut gefallen, weil sie auf interessante Art aus dem Rahmen fällt. Wie alle Thriller- und Krimi-Cops hat sie ihr Päckchen aus Beziehungsunfähigkeit, Widerspenstigkeit und Autoritätsproblemen zu tragen. Jedoch mit dem feinen Unterschied, dass sie eine Frau um die 40 ist. Dadurch treten ganz andere Probleme auf, weil sie zum Beispiel Panik vor den anstehenden Wechseljahren hat. 

Die Handlung ist gut durchdacht und lädt zum Rätseln ein. Obwohl ich zu Beginn ganz bei Helen war und von einem Nachahmungstäter ausgegangen bin, kam ich mit der Zeit schon ins Schwanken, und habe mich gefragt, ob es nicht doch Dahmer ist.

Gestört haben mich kleinere Unstimmigkeiten, die Helen mit ihren Vorgesetzten hat, weil diese für mich nicht nachvollziehbar sind. Ansonsten habe ich ihre Bredouille - egal ob beruflich oder privat - interessant und spannend gefunden, und mich bis zum Schluss gefragt, was denn nun die Wahrheit ist.

Brutalität und Obszönität sind meiner Ansicht nach im Rahmen geblieben. Natürlich gibt es etliche Szenen, die einen den Magen umdrehen. Jedoch grenzen sie sich vom herkömmlichen Splatter ab, weil sie eher thrillermäßig geblieben sind.

Für mich ist „Dahmer ist nicht tot“ ein interessanter Thriller, der auf Jeffrey Dahmers grausamen Taten beruht, einfallsreich eingefädelt und fesselnd zu lesen ist. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at