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Schillernde Dunkelheit

Scherben der Dunkelheit - Gesa Schwartz

Die sechszehnjährige Anouk ist in den Ferien bei ihrer Tante am Land untergebracht. Die ruhige Gegend ist genau das, was das introvertierte Mädchen braucht. Bis ein mysteriöser Zirkus im Dorf gastiert und sie mit seiner Farbenpracht in die Dunkelheit zieht.

Gesa Schwartz hat mit „Scherben der Dunkelheit“ einen jugendlichen Fantasyroman geschaffen, der sich mit den Themen Trauer, Zugehörigkeit sowie Einsamkeit auseinandersetzt und dabei sehr düstere Töne trifft.

Anouk und ihre Familie mussten einen Schicksalsschlag hinnehmen, den sie nicht verkraftet haben. Während sich Anouks Eltern in unbändigen Tatendrang stürzen, zieht sich das Mädchen lieber in sich zurück. Da kommen ihr die Ferien bei ihrer Tante am Land gerade recht. Doch sie ahnt nicht, dass sie der Dark Circus in seinen Bann ziehen und damit für sie zur Gefahr werden wird.

Dieser Dark Circus ist ein magischer Ort, der durch schillernde Farben besticht. Hier hat Gesa Schwartz ein wahres Meisterwerk hingelegt, weil sie die Vorführungen im Zirkus lebendig, schimmernd und farbenfroh beschreibt. Ich hatte das Gefühl, als ob ich selbst in der Manege bin und habe mit offenen Mund die Darbietungen bestaunt. Ich sehe noch immer die beeindruckenden Kunststücke und prächtigen Artisten vor mir. Die Funken fliegen, sie erhellen die Dunkelheit und das Publikum tobt vor Begeisterung. 

Allerdings hat mich die Autorin mit dem Konzept des Dark Circus nicht überzeugt. Sie spielt mit Sein und Schein, lässt einen Ort voll düsterer Magie auferstehen, der sich mit seinem dunklen Sog über Anouk legt. Mir ist bis zuletzt nicht klar, wie die Mechanismen dieses Zirkus funktionieren und worin seine Macht sowie Existenzquelle liegt. Denn dieser Dark Circus ist für mich ein abstraktes Gebilde geblieben, den ich nicht greifen kann.

Protagonistin Anouk ist gut gelungen, auch wenn sie mir zu sehr der üblichen Heldin entspricht. Sie passt sich perfekt in die Schablone der Sechzehnjährigen ein, die ständig mit sich selbst beschäftigt ist. Sie reflektiert über sich, ihre Familie und ihre ausweglose Situation, wodurch sich so manches Kapitel im Kreis zu drehen scheint. 

Die Handlung an sich hat sich für mich etwas gezogen, weil ich zu sehr mit dem Dark Circus und Anouk viel zu viel mit sich selbst beschäftigt war. Dennoch hat Gesa Schwartz durch furchteinflößende Horror-Elemente geglänzt, die ich bei dieser Zielgruppe nicht vermutet hätte. Nur das mit dem bösen Clown war mir schon aus einem bestimmten Horror-Roman bekannt … 

Natürlich darf es auch an einer sanften Liebesgeschichte in einem Jugendbuch nicht fehlen. Diese hat die Autorin wunderbar - wenn auch sehr typisch - umgesetzt. Anouk fühlt sich nicht nur zum Zirkus sondern auch zum dunklen Magier Rhasgar hingezogen, der sie mit sich in seine Welt gezogen hat. 

Zum Schluss hin konnte mich die Autorin richtig überraschen und ich wäre schon fast aus den Schuhen gekippt. Das Finale hat nach langem hin und her in sich gehabt und hält eine spannende Wendung bereit.

Ich glaube, dass Gesa Schwartz mit „Scherben der Dunkelheit“ den Geschmack von Fantasy-Lesern trifft, die düstere Romane mögen, sich auf abstrakte Vorstellungen einlassen können und mit Anouk den Dark Circus bekämpfen möchten.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at