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NiWa

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Kafkaesk

Die Verwandlung: Eine Erzählung (Klassiker der Phantastischen Literatur) - Rolf Bächi,  Franz Kafka

Als Gregor erwacht ist er plötzlich zum Käfer geworden. Es liegt auf der Hand, dass er sich nicht seinen täglichen Pflichten widmen kann, weil so etwas Haarsträubendes geschehen ist.

Dieser Klassiker der phantastischen Literatur erklärt auf wenigen Seiten, was unter dem Begriff ’kafkaesk’ zu verstehen ist. Kafka geht auf Lieblosigkeit, Pflichtgefühl und familiäre Zwänge ein und lässt seinen Protagonisten als Käfer dahinsiechen.

Vielleicht ist es unglaublich - es ist aber wahr, ich habe noch nie etwas von Franz Kafka gelesen. Ich hatte große Bedenken und noch viel mehr Respekt, mich diesem Werk zu widmen. Jetzt bin ich froh, dass ich es getan habe.

Gregor erwacht als Käfer in seinem Bett und wird gleich mit den versäumten Pflichten konfrontiert. Der Prokurist klopft schon an der Wohnungstür an, die Eltern und die Schwester wissen sich nicht zu helfen, und Gregor siecht als Käfer in seinem Bett vor sich hin.

Meine Ausgabe ist in drei Teile unterteilt, wobei sich der erste Abschnitt mit den kurzfristigen Konsequenzen der plötzlichen Verwandlung auseinandersetzt. Hier habe ich Tränen gelacht, weil ich die Idee des Käferleibs richtig witzig gefunden habe. Man stelle sich vor, dass man als Insekt erwacht und die größte Sorge ist, wie man zur Arbeit kommt? Damit hatte mich Kafka sofort bei der Stange, vor allem, als er dann noch die Bewegungsversuche des schwerfälligen Leibs beschreibt. 

Im zweiten Teil werden ernstere Töne angeschlagen, weil Gregors Familie in ihrem Sohn einen ärgerlichen Lebensumstand sieht. War er doch als angesehener Handlungsreisender stets für den Unterhalt der Familie verantwortlich, nützt er in seiner jetzigen Gestalt - als Ungeziefer -  kaum etwas.

Der Abschluss der Geschichte ist mir dann richtig unter die Haut gegangen und regt ordentlich zum Nachdenken an. 

An eine Interpretation wage ich mich nicht heran, weil das auch gar nicht mein Anspruch ist. Ich vermute, dass Kafka auf das Leben, Familie und Pflichten eingeht und dabei die Reduktion des Einzelnen auf seinen gesellschaftlichen Nutzen hervor streicht.

Mich hat Kafkas „Die Verwandlung“ jedenfalls überzeugt, auch wenn ich mir vieles nicht erklären kann. Es ist eine abgefahrene Geschichte, die vor Fantasie und Gesellschaftskritik strotzt und viele Emotionen anregt. Ich habe gelacht, gebangt, war traurig und ergriffen - was man bei knapp 100 Seiten erst einmal zustande bringen muss.

In diesem Sinn muss ich mich der geläufigen Meinung anschließen und meine, dass man Kafka gelesen haben muss. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at