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Verschlafener Kleinstadtkrieg

Sleeping Beauties - Stephen King, Owen King, Bernhard Kleinschmidt

Eine Pandemie zieht über die Welt, die ausschließlich Frauen befällt. Sobald sie einschlafen, wird ihr Körper von einem kokonartigen Gebilde umhüllt. Weckt man die Frauen auf, zerfleischen sie ihr Gegenüber als ob sie tollwütige Tiere wären. 

„Sleeping Beauties“ ist ein Horror-Roman, der in pandemischen Ausmaß die Frauen von den Männern trennt. Stephen und Owen King heben den Kampf der Geschlechter hervor und gehen ihn von einer neuen Seite an.

Was geschieht, wenn es plötzlich keine Frauen mehr gibt? Was passiert, wenn die Gesellschaft nur mehr aus Männern besteht und das weibliche Geschlecht einen Neuanfang wagen kann?

Hauptschauplatz ist die Kleinstadt, in die Stephen King immer gerne entführt. Brennpunkt ist hier ein Frauengefängnis, das durch die Pandemie und der umwerfend-mysteriösen Evie ins Zentrum der Geschichte rückt. 

Die Handlung lässt sich gut lesen, geht mir persönlich aber zu gleichförmig dahin. Stephen und Owen King halten ein anregendes Spannungslevel, das jedoch bis zum Finale relativ geradlinig bleibt. So taucht man in die Story um die schlafenden Frauen von Dooling langsam ein, wird von manch blutig-brutaler Szene durchgerüttelt und findet sich mitten im Kleinstadtkrieg wieder.

Dieses Setting hat es King schon immer angetan. So verwundert es nicht, dass er sie auch diesmal als Schauplatz wählt. Es werden sofort altbekannte Muster geweckt, anhand der vielen Figuren wird man mit dem gesellschaftliche Gefüge konfrontiert und steht damit der mysteriösen Krankheit im Angesicht. 

Der Kleinstadtkrieg an sich hat endzeitmäßige Züge, die man aus anderen Romanen kennt. Bewährte Strukturen lösen sich auf, Männer müssen ihren Mann stehen und keiner weiß, wohin die Pandemie führen wird. In all dem Chaos bahnt sich im Frauengefängnis eine brenzlige Situation an, die es in den Griff zu bekommen gilt.

Die Charaktere sind weit gestreut. Es gibt Lila, den weiblichen Sheriff der Stadt, die so lange wie möglich die Augen offen hält, ihren Mann Clint, der sich als Psychiater den Frauen im Gefängnis annimmt, boshafte Verbrecher und Trunkenbolde, verliebte Jugendliche und die mysteriöse Evie, die gleichzeitig mit der Krankheit auf der Bildfläche erschienen ist. 

Ich mag es weniger, wenn King so viele Figuren ins Zentrum der Erzählung stellt. Zwar bekommt man als Leser einen umfassenden Blick über die Geschehnisse, hält aber ständig eine gewisse Distanz, die mich weniger angesprochen hat. 

Dadurch hat es mir an dem typischen King-Horror - dieser einnehmenden Atmosphäre - gefehlt, die mich normalerweise binnen weniger Seiten in die Geschichte zieht. Die oberflächliche Perspektive auf das Gesamtgeschehen, die Aneinanderreihung der handelnden Figuren, haben mich durchgehend auf Abstand gehalten, was bei mir das Lesevergnügen hemmt.

Nichtsdestotrotz haben Stephen und Owen King einen lesenswerten Kleinstadtkrieg entflammt, dem es allerdings am kingschen Horror fehlt. Ich denke aber, wer „Die Arena“ gern gelesen hat, wird an den schlafenden Schönheiten genauso seine Lesefreude haben.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at