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Märchenhafter Roman

Das Buch der verlorenen Dinge - John Connolly, Claudia Feldmann

Nach einer schweren Krankheit ist Davids Mutter gestorben und die Trauer bringt den Jungen fast um. Trost findet er in seinen Büchern, die flüsternd aus den Regalen zu ihm sprechen. Während sein Vater mit einer neuen Frau einen Neuanfang wagt, wird David vom Krummen Mann in die Märchenwelt seiner Bücher gelockt. Zu spät erkennt er, dass diese Buchwelt schwerer als die Realität wiegen kann.

„Das Buch der verlorenen Dinge“ ist ein entzückender Roman, der sich mit dem Leser in einer Welt zwischen Traum und Realität bewegt. Es geht um Verlust, Trauer, Mut und das geschriebene Wort sowie die Liebe dazu.

Anfangs lernt man Protagonisten David kennen. Er ist ein kleiner Junge, der von seiner Mutter Abschied nehmen muss. Diese Zeit ist verwirrend und furchteinflößend für ihn, weil er nicht begreifen kann, was mit seiner Mutter nach ihrem Tod geschehen ist. 

Eine Zeit lang ist er mit seinem Vater allein, doch dann wagt dieser mit Rose einen Neuanfang. David kann und will diese Frau nicht an der Seite seines Vaters akzeptieren und flüchtet sich in seine Bücherwelt, wo der Krumme Mann bereits gierig seine Finger nach ihm streckt.

Diese Märchenwelt ist anders als es David geahnt hätte, weil hier zahlreiche Gefahren lauern:

„Jemand versuchte, eine Geschichte zu erschaffen, und David war ein Teil davon, aber die Geschichte bestand selbst wiederum aus anderen Geschichten.“ (S. 118)

So taumelt David durch altbekannte Märchen, Gedichte sowie Geschichten und neue Interpretationen davon. Allem hängt eine düsterer, gefährlicher Schatten an, der sich über Davids Abenteuer und Leben erstreckt. Teilweise ist es humorvoll und beinahe lustig zu lesen, weil man die Wahrheit hinter dem Klatsch und Tratsch aus der Märchenwelt erfährt. Zum Beispiel, wie die Sache mit Schneewittchens Prinzen wirklich abgelaufen ist:

„ … der Kerl kommt also auf diesem Schimmel angaloppiert, aufgeputzt wie ein parfümierter Teewärmer, und mischt sich in Sachen ein, die ihn überhaupt nichts angehen. Kaum hat er sie abgeknutscht, ist sie nämlich aufgewacht […] Erst hat sie dem Prinzen eine gelangt, weil er sich ‚Freiheiten herausgenommen‘ hatte, und dann gab's eine Gardinenpredigt, dass er nicht mehr wusste, wo vorne und hinten war.“ (S. 130)

Dann schlägt Autor John Connolly wieder sehr ernste Töne an. Dabei wird auch an blutigen, gewalttätigen Szenen nicht gespart. Köpfe werden auf Lanzen gespießt, schmerzvolle Tode gestorben und manch ein Wegbegleiter Davids haucht unterwegs sein Leben aus.

Mich hat dieser Roman sehr begeistert, berührt und richtig in der Seele getroffen. Es steckt viel Leid und Trauer drin, die negativen Seiten des Lebens werden betont, und gleichzeitig zeigt Connolly, dass es immer Hoffnung gibt und man sich Herausforderungen stellen muss.

Dieses Buch wurde wohl für Kinder und Jugendliche geschrieben, doch für Kinder ist es meiner Ansicht nach aufgrund der brutalen Stellen nur mit Vorbehalt geeignet. Dafür ist es für Erwachsene ein wahrer Lesegenuss. Ich habe gelacht, war erschrocken, habe mich gefürchtet und fast geweint, und spannende Lesestunden in dieser Märchenwelt erlebt, die mich verzaubert haben.

Meiner Meinung nach handelt es sich bei „Das Buch der verlorenen Dinge“ um eine schimmernde Perle für jedes Bücherregal, womit sich John Connolly mit seinen skurrilen Märchenadaptionen in mein Leseherz geschrieben hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at