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Witzig, charmant, brillant. Und spannend.

Dunkle Gewässer - Joe R. Lansdale, Hannes Riffel

Texas um die 1930er-Jahre. May Lynns Leiche wird im Sabine River gefunden, doch niemand hat Interesse daran. Nicht einmal ihr Vater nimmt an ihrer Beerdigung teil. Ihre Freunde meinen, May Lynn hat einen würdigeren Abschied verdient. Sie gehen die Reise mit May Lynns Überresten nach Hollywood an, damit zumindest ihr Traum von L.A. wahr werden kann.

Joe R. Lansdale hat mit diesem Buch einen spannenden Coming-of-Age-Roman kreiert, der den Leser auf den Sabine River und damit auf die dunklen Gewässer von Texas entführt. 

May Lynns aufgedunsener Leichnam wird am Sabine River beim Angeln entdeckt. Sue Ellen und Terry sind dabei und können nicht glauben, wie egal dieser Leichenfund den Erwachsenen ist. Daher beschließen sie gemeinsam mit Jinx, ihrer Freundin May Lynn einen besseren Abschied zu ermöglichen: May Lynn wollte immer Filmstar werden. Daher liegt eine Einäscherung mit der Überführung nach Hollywood auf der Hand. Wäre ihnen nur nicht ein wahnsinniger Killer und Sue Ellens tobender Stiefvater auf den Fersen … 

Sue Ellen hat keinen rechten Plan für ihr Leben. Sie weiß nicht, was aus ihr werden soll. Doch sie weiß nur zu gut, dass sie sich für keinen Mann die Haare hochstecken wird und schon gar nicht in dem hinterwäldlerischen Dorf ein Dasein als Ehefrau fristen will. 

Terry ist der Hahn im Korb. Er steckt voller Elan und Tatendrang und hat einen Sturschädel, gegen den fast niemand ankommen kann.

Niemand außer Jinx. Denn die aufgeweckte Schwarze hat es faustdick hinter den Ohren und sie ist eine Person, der niemand Paroli bieten kann. Felsenfest von sich und ihrer Einstellung überzeugt, lässt sie sich niemals die Schneid abkaufen und steht für sich und ihre Freunde ein.

„‚Sie ist trotzdem ein Menschenkind‘, sagte Mama. ‚Und die sind alle von Gott geschaffen worden‘. ‚Dann braucht er dringend eine neue Gussform‘ sagte Jinx“ (S. 200)

Meiner Meinung nach geht es vor allem um Menschen am Rand der Gesellschaft. Lansdale stellt Arme, Aussichtslose, wie zum Beispiel das schwarze Mädchen Jinx, in den Vordergrund, um ihnen in seinem Roman eine Perspektive zu geben. Sue Ellen kommt aus einer Familie, die wohl dem ‚White Trash‘ zuzuordnen ist. Und der Junge Terry hat ganz andere Probleme … 

Dieses Dreiergespann hat mich sofort für sich eingenommen. Ich bin von ihnen hingerissen! Sie sind Freunde, die füreinander einstehen, die auf gesellschaftliche Normen pfeifen und eben tun, was ihrer Meinung nach getan werden muss.

Außerdem ist es ein sehr spannender Roman, bei dem die Seiten fliegen. Es ist blutig, es geschieht Unvorhergesehenes und ständig nehmen Sue Ellen, Terry und Jinx die Beine in die Hand. 

Obwohl Joe R. Lansdale mit einem sehr locker-frechen Schreibstil besticht, der einem gleichzeitig schmunzeln und bangen lässt, handelt es sich um eine düstere Erzählung. Man fühlt wie bedrohlich das Leben zu dieser Zeit gewesen ist. Man spürt, wie sehr die Jugendlichen um ein besseres Dasein bemüht sind, es ihnen aber an Möglichkeiten fehlt. Außerdem zeigt Lansdale wie es im Texas der 30er-Jahre war: schwüle Nächte, giftige Schlangen und gefährliche Menschen, vor denen es sich zu hüten galt. 

Mich hat Joe R. Lansdale mit „Dunkle Gewässer“ wieder vollkommen überzeugt. Witzig, charmant, brillant erzählt er vom Texas der 30er-Jahre, dem Sabine River und von drei Freunden, die aufbrechen, um ihrer Freundin May Lynn die letzte Ehre zu erweisen. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at