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Ein Gedenken

Ein Held dunkler Zeit - Christian Hardinghaus

2. Weltkrieg. Wilhelm Möckel ist Arzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16 und kämpft um das Eiserne Kreuz I an Front. Er ist aber nicht von heroischer Verbohrtheit getrieben, sondern es ist der einzige Weg, wie er Leben retten kann: Das Leben seiner Frau, die Halbjüdin ist. 

"Ein Held dunkler Zeit" ist ein historischer Roman, der den gesamten 2. Weltkrieg umspannt. Der Autor geht auf die vorherigen Entwicklungen ein, schildert detailliert das Kampfgeschehen und schließt in der Gegenwart ab.

Wilhelm bleibt nur eine Chance, um seine Frau Annemarie und die Kinder zu retten. Ihm wird eine Ausnahmeregelung der Nationalsozialisten ans Herz gelegt, um seiner Frau arisches Blut zu bescheinigen. Wenn er das Eiserne Kreuz I für seinen Heldenmut im Krieg erlangt, wird Annemaries Status heraufgesetzt. Wilhelm setzt alles daran, diese Auszeichung zu erhalten. Daher meldet er sich als Arzt an die Front, wo Helden gebraucht werden.

Über den 2. Weltkrieg und all seine Dramen wurden schon viele Bücher geschrieben. Ich glaube, dass es noch lange nicht genügend sind. Das Besondere an diesem Roman ist, dass er auf wahren Ereignissen basiert, die zeigen, dass es eben keine Geschichten sind.

Autor Christian Hardinghaus schafft einen wunderbaren Roman, der auf dieser realen Begebenheit basiert. Allerdings wird sie nicht aus erster Hand erzählt, sondern vom greisen Friedrich im Altersheim niedergeschrieben. Friedrich war einst mit Wilhelm an der Front und hat dadurch seine Geschichte miterlebt. 

Dabei erhält man einen Überblick über das Gesamtgeschehen. Man lernt Wilhelm und Annemarie kennen, erfährt, wie sie zueinander gefunden haben, und wie sich langsam der Schatten der Nationalsozialsten über Deutschland legt.  

Denn die Schrecken des Krieges werden sehr detailliert geschildert. Hier bewegt sich der Leser meistens mit Wilhelm und Friedrich im Kampfgeschehen, das aus unerbittlichen Gefecht und trister Langeweile besteht. 

Außerdem gefällt mir, dass Hardinghaus nicht mit Schmach und Freuden des Soldatenlebens spart und dabei stets authentisch bleibt. So lernt man neben den vielen Kameraden auch die Hündin Norka kennen, die ich ins Herz geschlossen habe und niemals vergessen werde. Man erfährt wie menschlich es trotz der Gräuel oft zugegangen ist, wenn sich Russen und Deutsche tatsächlich gegenseitig bei der Verwundetenversorgung geholfen haben. 

Hardinghaus vermittelt ein Gefühl für die Situation und man merkt, dass er über bemerkenswertes Wissen verfügt. Stellenweise hat es sich einen Hauch zu sehr wie ein Sachbuch gelesen, wenn etliche Informationen ins Geschehen eingeflossen sind. Einerseits hat mir das gefallen, weil ich auf diese Weise sehr viel dazu gelernt habe, andrerseits hat es meinem Gefühl nach die Handlung etwas aus dem Fluss gebracht.

Nichtsdestotrotz hat mich „Ein Held dunkler Zeit“ getroffen, gepackt und schockiert. Es war mir eine Ehre von diesen Schicksalen zu erfahren und ich freue mich, dass sie nicht vergessen sind. 

Christian Hardinghaus hat aus einer bewegenden Geschichte einen ergreifenden Roman gemacht, den ich sehr gerne gelesen habe und der mir die Schrecken dieser Zeit vor Augen geführt hat. Meiner Meinung nach ist es ein Buch gegen das Vergessen, um Annemarie, Wilhelm, Friedrich, Norka und den vielen Menschen der Kriegsgeneration zu gedenken. Es lohnt sich sehr!

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at