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Was hat sie wirklich gesehen?

The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen? - Nina Kunzendorf, James Finn Garner, Christoph Göhler

Anna ist krank. Sie ist Agoraphobikerin und kann ihr Haus nicht mehr verlassen. Daher schaut sie oft durch die Fenster zu ihren Nachbarn, wobei sie einen Mord beobachtet. Wer war die ermordete Frau im Fenster? Und was ist wirklich geschehen?

"The Woman in the Window" begegnet dem Leser gleich auf zweierlei Art. Zum einen ist es Anna, die von ihrem Fenstern aus zu den Nachbarn späht. Zum anderen handelt es sich um die Frau, deren Ermordungen sie beobachtet hat. Diese Doppeldeutigkeit des Titels ist bezeichnet für den Handlungsverlauf, weil der Autor genau damit zu spielen weiß.

Es handelt sich dabei um einen klassischen Thriller der sich an Hitchcocks Filmklassiker "Das Fenster zum Hof" anlehnt. Auch in diesem Buch ist die Mordzeugin ans Haus gebunden und niemand glaubt ihr, was sie gesehen hat.

Anna ist Agoraphobikerin. Das heißt, sie hat eine Angststörung und fürchtet sich so sehr vor weiten Plätzen, dass sie ihr Haus nicht mehr verlassen kann. Der Auslöser dieser Angst liegt ein Jahr zurück und wird im Buch in Rückblenden aufgearbeitet.

Die Krankheit nimmt einen hohen Stellenwert im Buch ein, was ich insgesamt als sehr interessant empfunden habe. Trotz Thrillercharakter nimmt sich der Autor ausreichend Zeit, um in den krankheitsgeprägten Alltag der Protagonistin einzuführen. Es ermöglicht dem Leser auf spannende Weise mehr über dieses Krankheitsbild zu erfahren.

Zudem ist Anna Kinderpsychologin und hat einen äußerst professionellen Blick auf ihre psychische Verfassung. Allerdings endet ihre Professionalität, wenn es um dem Umgang mit sich selbst, Alkoholkonsum und Tablettenmissbrauch geht. Denn Anna ist ständig zugedröhnt, wodurch natürlich ihre Glaubwürdigkeit bezüglich ihrer Beobachtung deutlich sinkt.

Zu Anna möchte ich noch sagen, dass sie mir stellenweise äußerst unsympathisch war. Sie trägt eine sehr ablehnende Haltung gegenüber ihrer Mitmenschen zur Schau, ist unhöflich und nimmt keine Rücksicht. Allein wenn ich daran denke, wie ruppig sie mit anderen umgeht, hat sie für mich nicht gerade zum Sympathieträger gemacht.

Die Handlung ist sehr fesselnd, wenn auch eher ruhig erzählt. Anna beobachtet den Mord an dieser Frau im Fenster. Es handelt sich um die neue Nachbarin, die allerdings kurze Zeit später lebend vor ihr steht. Nur hat Anna eine andere Frau vor Augen und weiß nicht so recht, wer hier ein übles Spielchen spielt.

Damit hat der Thriller großartiges Rätselpotential. Es wird nach Motiven sowie Erklärungen gesucht und natürlich Protagonistin Anna in Frage gestellt. Kann es sein, dass sie sich das alles - bei ihrem Rauschmittelkonsum -  nur eingebildet hat?

Autor A. J. Finn glänzt mit Wendungen und Wirrungen. Er versteht es gekonnt, den Leser in die falsche Richtung zu führen und hat mich am Ende eiskalt erwischt. 

Meiner Meinung nach ist „The Woman in the Window“ ein guter, klassischer Thriller mit interessanten Fakten zum Krankheitsbild Agoraphobie, eine Hommage an Hitchcocks Filmklassiker und ein fesselndes (Hör-) Buch für spannende Lesestunden! 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at