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Atmosphärisches Thriller-Highlight

Der Kreidemann: Thriller - Tasha Tudor, Werner Schmitz

Mit einem schrecklichen Ereignis am Jahrmarkt hat in Eddies Leben das Grauen begonnen. An diesem Tag hat er zum ersten Mal den Kreidemann getroffen und ein hinterhältiges Spiel in Gang gesetzt. Eddie dachte, es sei mit dem Auffinden der Mädchenleiche im Wald vorbei. Doch 30 Jahre später treffen bei ihm mysteriöse Botschaften ein.

Bei "Der Kreidemann" handelt es sich um das herausragende Thriller-Debüt von Autorin C. J. Tudor, deren Namen ich mir unbedingt merken muss!

Gleich zu Beginn wird man mit einem Leichenfund konfrontiert. Mitten im Wald liegt eine zerstückelte Mädchenleiche, deren Kopf auf geheimnisvolle Weise seinen Weg in eine Tasche findet. 

Erst dann steigt man in das eigentliche Geschehen und den Thriller ein, der auf zwei Zeitebenen angesiedelt ist. Einerseits geht es um die Ereignisse im Jahr 1986, die mit dem grausigen Fund im Wald zusammenhängen. Andrerseits befindet man sich mit Protagonist Eddie im Jahr 2016, wo sich das Trauma seiner Kindheit durch einen mysteriösen Brief wieder einen Weg in sein Leben bahnt.

1986 ist Eddie ein kleiner Junge, der nichts lieber macht, als mit seinen Freunden Zeit zu verbringen. Die Freunde sind eine Vierer-Gang, die gern durch den Wald streifen und die Sommerferien gemeinsam verbringen. Die Autorin beschreibt jugendhafte Ausgelassenheit, vergnügliche Spiele aber auch die Schattenseite des Kindseins. Denn sie geht zudem auf Ängste und Schreckgespenster der Kindheit ein, die manchmal gar nicht kindlichen Illusionen entspringen sondern sehr real sind. Außerdem hat Eddie am Jahrmarkt einen verstörenden Unfall erlebt, der ihn bis ins Erwachsenenalter nicht loslassen wird. 

Im Jahr 2016 ist Protagonist Eddie ein schon fast gebrochener Mann. Er spricht ein bisschen zu sehr dem Alkohol zu, hat kaum Freundschaften und verbringt seine Tage als Lehrer eher eigenbrötlerisch. Doch dann holen ihn die Ereignisse seiner Kindheit ein und er kommt einem Rätsel auf die Spur. 

Besonders der Part in den 1980er-Jahren hat mich von Atmosphäre und Dichte her stark an Stephen King erinnert. Die Autorin schafft ein Gefühl für Eddies Leben, dabei taucht man mit ihm in seine Vergangenheit ein. Man gleitet in seine Kindheit ab, überlegt sich Geburtstagsgeschenke, ist mit dem alten Fahrrad unterwegs oder baut sich mit den Freunden einen Unterschlupf. Es knistert die Spannung zwischen den Zeilen, weil man weiß, dass etwas passieren wird. Es ist allein schon fesselnd, weil Eddie selbst von seiner Kindheit erzählt und dabei durch einzelne Bemerkungen ahnen lässt, dass es kein Spaziergang werden wird. 

Dank des griffigen Erzählstils bin ich sofort an den Seiten geklebt und konnte nicht anders, als einfach weiterzulesen. Ich wollte wissen, was Eddie und seinen Freunden passiert ist, warum das Mädchen im Wald gestorben ist und wie es dazu kommt, dass er 2016 noch davon heimgesucht wird. 

Denn 30 Jahre später hat Eddie noch immer mit der Vergangenheit zutun. Dieser mysteriöse Brief wirft Eddie aus der Bahn. Er erinnert ihn daran, dass aus einem einfachen Kreidespiel für Kinder blutiges Grauen geworden ist. Außerdem kommt er einem ungelösten Rätsel von damals auf die Spur, was insgesamt betrachtet extrem fesselnd zu lesen ist. 

Zugegeben, die Grundidee ist sicherlich nicht neu, wurde von der Autorin aber auf allerhöchstem Niveau überaus spannend umgesetzt. Am Ende konnte sie mich sogar zweimal überraschen, weil es richtig schön fies und auf makabre Weise ergreifend ist. 

Ich bin der Meinung, wer Thriller und Stephen King mag, sollte unbedingt mit C. J. Tudor Bekanntschaft machen. Hoffentlich wird es der Beginn einer fesselnden Freundschaft sein.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at