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Am Ufer entspringt der Tod

Spreeblut - Die Typonauten GmbH, Karsten Krepinsky, Franziska Pigulla

An der Spree ist ein hinterlistiger Serienmörder am Werk. Er tötet so subtil, dass er nicht ins Visier der Polizei gerät. Frauen verschwinden, Leichen werden nicht gefunden. Dennoch sind sich Ana und Jan sicher, dass System hinter dem Verschwinden mancher Frauen steckt. 

"Spreeblut" ordne ich als Horror-Thriller ein, weil er die Serienmörderjagd mit übernatürlichen Elementen vereint. 

Thematisch werden Machtverhältnisse zwischen Opfern und Tätern in den Fokus gerückt, was sich neben der offensichtlichen Handlung um die Serienmorde auch in den Persönlichkeiten der Figuren finden lässt. 

Ana ist Ende Dreißig und nach den Beschreibungen des Autors eine wunderschöne, sinnliche Frau. Auf den ersten Blick könnte einen wahrscheinlich der Neid fressen, wenn man ihr gegenüber steht. Allerdings hat sie sich mit ihrer Heirat nicht nur den Aufenthalt in Deutschland gesichert sondern ein Gefängnis geschaffen. Ihre Ehe ist nicht wie es scheint und sie hat sich in der Hölle des Löwen - bei ihrem Mann - selbst eingesperrt.

Jan betritt etwas später das Parkett. Eines Tages spricht er Ana an, als sie gerade eine Vermisstenanzeige studiert. Nach kurzem Geplänkel erkennen sie, dass sich hinter etlichen Vermisstenfällen ein Muster verbirgt, das zwar nicht logisch aber schlüssig ist. Gemeinsam gehen sie ihren Mutmaßungen auf den Grund.

Die Handlung an sich ist durchdacht und dank der Sprecherin mitreissend erzählt. Leider musste ich rasch feststellen, dass sie kaum Überraschungen bereithält. Die Ereignisse werden chronologisch abgearbeitet, dabei hat es mir an Dichte und Stimmung gefehlt. Denn die Figuren Ana und Jan sind sehr zentral und der Rahmen um die Morde gerät ins Hintertreffen. 

Die ganzen Hintergrundinformationen zu Ana und ihrem Leben als armselige Ehefrau wurde mir zu sehr in den Vordergrund gerückt. Teilweise habe ich ganz den Mörder vergessen und war schon richtig auf Ana an der Seite dieses furchtbaren Mannes fokussiert. Zwar finde ich es wichtig, Figuren lebhaft darzustellen, nur wurde mir dieser Part zu einseitig und monoton erzählt. 

Gleichzeitig hätte ich mir fesselndere Einblicke bei der Spurensuche gewünscht. Die Protagonisten sind über die Lösung gestolpert, weil sich der Serienmörder in Anas direkten Umfeld vergreift. Alle anderen Versuche ihrerseits haben grob gesagt ins Nirgendwo geführt. 

Ich habe zu diesem Hörbuch gegriffen, weil mich viele begeisterte Rezensionen neugierig gemacht haben. Zwar schließe ich mich der allgemeinen Meinung an, denn es wird eine gute Geschichte erzählt, doch die Spannung ist mir persönlich viel zu schnell abhanden gekommen. Schon zu Beginn weiß man, was es mit dem Mörder auf sich hat, woraus sich der weitere Verlauf der Handlung schnell ableiten lässt.

Einfallsreich war Karsten Krepinsky allemal, wenn man an den Mörder denkt. Diese Originalität hätte ich mir eben auch im weiteren Geschehen gewünscht, damit es nicht gar so vorhersehbar ist.

Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, weil grundsätzlich alles an der Geschichte passt. Die Figuren sind interessant, entsprechen nicht allzu sehr den Klischees und der kreativ-mysteriöse Rahmen kommt gut zum Zug. Dennoch fehlt es mir am Wow-Effekt, den ich mir schon erwartet habe. 

Alles in allem weiß „Spreeblut“ mit seinem ungewöhnlichen Mörder und dem Tathergang gut zu unterhalten und hat sich als solider Horror erwiesen. Dem Thriller-Part hat’s meiner Ansicht nach stark an Spannung gefehlt, wovon sich Interessierte aber nicht beirren lassen dürfen. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at