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Vom Ansatz her richtig, richtig gut, aber ...

Blind Date mit der Liebe - Kari Lessir

Ninas Leben dreht sich um die Arbeit und sogar beim Joggen denkt sie nur daran. Im Anzeigenverkauf muss man eben immer Vollgas geben. Doch sollte man im Park vielleicht seine Umgebung nicht völlig vergessen. Denn auf einmal rennt sie einen richtig heißen Typen um, der ihr daraufhin ordentlich die Leviten liest.

Der heiße Typ ist nämlich blind und sieht es gar nicht ein, dass andere keine Augen im Kopf haben. Schnell erholt sich Nina von ihrem Fauxpas und Jan bandelt mit ihr an.

Mir war mal wieder nach einem Liebesroman und ich dachte mir, dass ich mit "Blind Date mit der Liebe" goldrichtig liege. Mich hat an dem Buch das Thema Blindheit beim Kennenlernen und sich Annähern gereizt, weil es mal etwas anderes zu lesen ist.

Jetzt aber zurück zu Nina und Jan, die in diesem Roman regelrecht aufeinander prallen. Diese Eingangsszene fand ich sehr charmant und ich hoffte, dass die Handlung im weiteren Verlauf ebenso hinreissend erzählt wird. 

Leider musste ich die Hoffnung aufgeben und kann der Autorin derzeit nur ihre ausgezeichneten Ideen zugute halten. 

Jans Blindheit ist natürlich stark im Vordergrund und sämtliche alltägliche Situationen, die damit einhergehen, werden exzellent beschrieben und wunderbar umgesetzt. 

Doch Jans Handicap wird im zwischenmenschlichen Bereich absolut überthematisiert. Nina beginnt für ihn Gefühle zu entwickeln und Jan geht es ebenso. Als Leser habe ich mich gefragt, was die Grundlage für diese Emotionen ist? Denn sie sprechen ausschließlich über die Behinderung. Es dreht sich einfach alles darum! Mir ist schon klar, dass solche Umstände eine große Rolle spielen und man sich beiderseits fragt, ob man überhaupt eine Beziehung eingehen will und zu einem gemeinsamen Leben fähig ist. Jedoch muss man vorher den anderen Menschen kennenlernen, bevor man an mögliche amouröse Entwicklungen denkt. Protagonist Jan wird komplett auf seine Blindheit reduziert und Nina ist schmückendes Beiwerk dazu.

Außerdem haben etliche Handlungen auf mich nicht schlüssig gewirkt. Sei es, dass Jan mal etwas ausprobieren will, was er sich bisher nicht getraut hat und dieses Vorhaben trotz Unsicherheit vor Publikum angeht, in der einen Minute tough und in der nächsten einfach armselig wirkt, oder wie der Antagonist der Story reagiert. 

Leider wird der Strang um Jans ‚Gegenspieler‘ ziemlich abstrus und verliert für mich komplett an Glaubwürdigkeit. Die Grundstory hätte mit Jan und Nina meiner Ansicht nach schon gereicht, weil mit dem Thema Blindheit schon von Vornherein sehr viel Konfliktpotential vorhanden ist.

Hingegen hat sich die Autorin bei anderen Facetten - zum Beispiel Jans emotionalem Verfall - wieder richtig viel Gedanken gemacht und diesen Hergang hervorragend geschildert.

Ganz ehrlich gesagt, dieser Roman hat auf mich einfach unfertig gewirkt und ein professionelles Lektorat wäre für die Autorin bestimmt hilfreich gewesen. Der Spannungsbogen hängt durch, die Zwischentöne fehlen und dramaturgisch wurde gravierend daneben gegriffen, was mir richtig weh in meiner Leserseele tut.

Obwohl das jetzt eine schlechte Kritik an diesem Werk ist, fand ich es vom Ansatz her richtig, richtig gut. Ich würde „Blind Date mit der Liebe“ lieber als Konzept oder Entwurf verstehen, aus dem noch ein fundierter und großartiger Roman entstehen kann. Bedauerlicherweise kann ich keine Leseempfehlung aussprechen, sollte die Geschichte aber eines Tages auf soliden Füßen stehen, würde ich sie sehr gern ein weiteres Mal lesen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at