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Ehrliche Liebesgeschichte

Du + Ich = Liebe - Heike Wanner

Die 17jährige Nika hat einen guten Plan. Nach einem Jahr im Ausland will sie nun Schulsprecherin werden, das Abi mit Bravour bestehen und danach ein Studium beginnen. Doch lernt sie den neuen Mitschüler Ben kennen, der nach einem schweren Unfall in sein Leben im Rollstuhl finden soll.

Wieder einmal war mir nach einer Liebesgeschichte und auch in dem Genre suche ich nach dem Besonderem. Zwar hatte ich bei dem Cover und Titel tatsächlich mit so einer richtigen Teenie-Schnulze mit ganz viel Herzschmerz gerechnet, doch ich wurde sehr positiv überrascht!

Natürlich geht es um Nika und Ben und wie sie zueinander finden. Schon hier zeigt die Autorin, dass Liebesgeschichten sehr natürlich und humorvoll erzählt werden können, wofür ich ihr richtig dankbar bin.

Nika kommt nach einem Jahr im Ausland an ihre Schule zurück und kracht gleich einmal mit Ben zusammen. Denn Ben steht ganz und gar nicht auf ihren Charme, doch sie will unbedingt seine Aufmerksamkeit gewinnen. Aus ersten Kabbeleien, wird dann Sympathie bis sie letztendlich zärtliche Gefühle füreinander entwickeln. 

Ben hatte einen schweren Unfall und ist mittlerweile schon längere Zeit im Rollstuhl unterwegs. Dieses Leben hat er weder begrüßt noch sich ausgesucht, aber der Teenager akzeptiert diese Situation und macht das Beste daraus. Gerade diese lebensbejahende Einstellung hat Ben unheimlich viel Natürlichkeit und Esprit gegeben. Er jammert nicht, versinkt ebenso wenig in einer mitleidserregenden Lethargie, sondern er ist ein Mann der Tat und packt ganz einfach wie jeder andere sein Leben an.

"Das was passiert ist, ist scheiße, aber leider nicht zu ändern." (S. 209)

Nika ist beeindruckend bodenständig und falls es solche Mädchen in dem Alter auf dieser Welt gibt, kann man nur den Hut vor ihnen ziehen. Sie mag Ben. Punkt. Alles, was mit seiner Behinderung zusammenhängt, ist ihr absolut egal. Sie akzeptiert Unannehmlichkeiten und nimmt diese als gegeben hin. Dabei hat sie einen sehr natürlichen Zugang zu Körper und Leben, sodass man von ihr tatsächlich etwas lernen kann.

Erzählt wird die Geschichte von Nika und Ben abwechselnd aus ihren Perspektiven, was mir gut gefällt. Als Leser hat man dadurch Einblick in die Gedanken und die Gefühlswelt der Protagonisten, wodurch man in vielen Situationen richtig mitfiebern kann.

Im Großen und Ganzen steht Bens Querschnittlähmung und die anbahnende Liebe zwischen Nika und ihm im Vordergrund. Die Autorin beweist vortreffliches Fingerspitzengefühl, indem sie äußerst gekonnt Hintergrundwissen zur Querschnittlähmung einfließen lässt, ohne der Handlung den Flow zu nehmen. 

Mit der ersten großen Liebe und einer Behinderung ist es aber noch nicht getan, denn diese tiefsinnigen Inhalte werden zusätzlich von den Themenkomplexen Trauer und Depression ergänzt. Im Endeffekt ist es bestens gelungen und gibt ein ausgewogenes Gesamtbild ab. 

Die Handlung an sich ist ebenso rund erzählt und dabei flüssig sowie faszinierend zu lesen. Nur das Finale an sich und die zuspitzende Wendung waren nicht so ganz nach meinen Geschmack. Ich bin eher die Leserin, die relativ wenig Desaster braucht, um in einer Geschichte aufzugehen. Mir ist jedoch klar, dass der Handlungsbogen den Tiefstand benötigt, weil es sonst zu flach geendet wäre.

Alles in allem ist „Du + ich = Liebe“ eine wunderschöne Liebesgeschichte voller Ehrlichkeit, Lebenslust und Akzeptanz, die ich gerne gelesen habe und nur empfehlen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at