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Die Schatten der Vergangenheit

Schatten - Argon Verlag, Ursula Poznanski, Andrea Sawatzki

Zwei Morde in Salzburg: Ein Mann liegt brutal zugerichtet in seiner Wohnung. Die Leiche einer Hebamme wird ertränkt in einem Bach gefunden. Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ermitteln wieder.

„Schatten“ ist der vierte Fall vom Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger, der in das Tagesgeschehen der Abteilung „Leib und Leben“ in Salzburg entführt.

Beatrice Kaspary und Florin Wenninger werden zu einem Tatort gerufen. Der Tote liegt in seiner Wohnung und ist inmitten eines heimeligen Chaos drapiert. Bei der Tatortbesichtigung fällt Bea ein Zeitungsbericht auf, der aus ihrer Vergangenheit stammt.
Eine zweite Leiche wird im Wald in einem Bach entdeckt. Langsam bekommt es Bea mit einem mulmigen Gefühl zutun, denn sie ist sicher, dass sie die tote Hebamme kennt.
Ist das Zufall? Oder besteht ein Zusammenhang?

Dieser vierte Band um das Ermittlerteam Kaspary-Wenninger steht seinen Vorgängern um nichts nach und ist mindestens so interessant und spannend, wie es die anderen gewesen sind. 

Es handelt sich um Beas persönlichsten Fall. Die Salzburger Ermittlerin ist selbst betroffen. Obwohl ich privates Ermittler-Involvement normalerweise überhaupt nicht ausstehen kann, ist es hier meiner Meinung nach passend umgesetzt. Es ergibt sich ein rundes Bild in Bezug zu Beatrices Vergangenheit, und hat daher glaubhaft gewirkt.

Es werden Hintergründe aufgedeckt, Geheimnisse gelüftet, und endlich erfährt man, wie Beatrice überhaupt zur Polizei kam. Zwar gab es schon immer Andeutungen, doch so intensiv hat man sich damit noch nie auseinandergesetzt.

Der Fall ist spannend erzählt und der Wechsel zwischen Ermittlungstätigkeit und brisanten Situationen exzellent gewählt. Die Handlung wird von ihrer eigenen Dynamik getragen, und profitiert vom Rätsel raten, was durchgängig die Spannung hält. Ich habe lange gegrübelt, wer hinter den Morden steckt. Es hat fast bis zum Ende gedauert, bis ich mir - zeitgleich mit Bea - sicher war.

Außerdem verschont Ursula Poznanski den Leser vor Beas ewiger Jammerei. In den vorherigen Bänden ist mir Beatrice in ihrer Rolle als überforderte Mutter ordentlich auf die Nerven gegangen. Diesmal liegt es in der Natur der Geschichte, dass dieser Teil von ihrem Leben außen vor bleibt, was mir recht gut gefallen hat.

Florin Wenninger kommt ebenfalls zum Zug, obwohl er leider nur die Rolle einer wichtigen Nebenfigur erhält. Zumindest gibt es Episoden, die aus seiner Perspektive erzählt werden, was interessant zu hören ist. Ehrlich gesagt, es wäre toll, wenn Wenninger mal ein bisschen mehr als Beas Beiwerk wird, weil er ein faszinierender Charakter ist.

Kritikpunkte gibt es dennoch von mir. Zum Beispiel handeln viele Figuren äußerst unlogisch, darunter Beatrices Familie. Und ich hoffe, dass die Polizei im echten Leben systematischer vorgeht!

Ich mag Poznanskis Erzählweise, ihren schnörkellosen Stil, der dennoch zum Grübeln anregt. Ihre Bücher kommen mir oft wie ein Puzzle vor, in denen sie geschickt den entscheidenden Hinweis unter den vielen Steinchen versteckt.

In diesem Sinn kann ich den vierten Fall von Kaspary und Wenninger unbedingt empfehlen, allerdings nur, wenn man die anderen Bände bereits kennt, weil man sich ansonsten um’s eigene Lesevergnügen bringt.

 

 

Bisherige Fälle:
1) Fünf 
2) Blinde Vögel
3) Stimmen
4) Schatten
 
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at