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NiWa

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Märchenhafter Horror der Gegenwart

Erhebung: Roman - Stephen King, Bernhard Kleinschmidt

Zustand sollte eigentlich beunruhigend sein, doch für Scott beginnt damit der Weg zur Erhabenheit.

Diese Kurzgeschichte von Stephen King ist kein typischer Horror-Snack, sondern bleibt bis auf Scotts merkwürdigen Verfall ganz in der Realität verhaftet. 

Als passionierter Stephen-King-Leser ist man erneut in der Stadt Castle Rock in Maine zu Gast. Eingangs wird man mit Scotts seltsamer Gewichtsabnahme konfrontiert. Der füllige Mann findet keine Erklärung dafür, warum die Kilos purzeln und dabei sein Körperumfang gleich zu bleiben scheint.

Das Gewichts-Thema hatte King schon einmal. Wer an „Der Fluch“ beziehungsweise „Thinner“ denkt, darf sich auf eine ganz andere Geschichte freuen. 

Denn diese Gewichtsabnahme ist zwar merkwürdig, mysteriös und schauderhaft, gibt aber nicht den Grundton der Handlung an. 

Hauptsächlich geht es in „Erhebung“ um gegenseitige Toleranz, Inklusion und Erhabenheit. Der Autor schreibt damit ein Plädoyer gegen Ausgrenzung, und zeigt in seiner Geschichte, dass man keine Angst vor anderen Menschen haben muss. Es hilft, wenn man aufeinander zugeht, toleriert und menschliche Würde respektiert.

Auf diese Weise geht Scott sein bescheidenes Leben an. Die Scheidung ist durch, er ist anscheinend todkrank, und vor seinem - phänomenalen - Abgang will er ein bisschen Erhabenheit in die Welt zaubern.

Als Sinnbild für die amerikanische Kleinstadt ist für mich Castle Rock zu verstehen. Alles ist erlaubt, nur darf es nicht in der Öffentlichkeit geschehen. Während sich die einen als tolerante Mitbürger sehen, wird anders denkenden Menschen rasch der Schneid abgekauft - weil man sie eigentlich gar nicht in der eigenen Mitte will.

Außerdem stellt der Autor dar, dass Toleranz und Inklusion angenommen werden müssen. Es liegt nicht nur an einer Seite, Gemeinsamkeit aufzubauen, sondern der gute Wille muss ebenso akzeptiert und angenommen werden. Nur wenn eine gütige Hand ergriffen wird, kann sie Hilfe spenden.

Mir hat dieses knackig-kurze Werk exzellent gefallen, obwohl auf den knappen Seiten wenig Raum für die Entfaltung sämtlicher Elemente bleibt. Doch ich denke, die wesentliche Botschaft ist bei mir angekommen. Ich bin auf’s Neue überrascht wie gesellschaftskritisch und schillernd Stephen Kings Bücher sind. Gerade mit dieser kleinen, märchenhaften Perle beweist er, dass er so viel mehr als Horror kann.

Unterm Strich bleibt eine moderne Kurzgeschichte, die vor Gesellschaftskritik strotzt, sich mit Themen unserer Gegenwart befasst, und ein klein wenig Märchen-Flair hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com